»Setze mich nieder,« sprach sie erstickt. »Ich will dir zu antworten versuchen …«

Er setzte sie behutsam auf einen Stein, warf sich vor ihr nieder und vergrub den Kopf in ihrem Schoß.

Sie legte die Hand auf sein Haar und rang nach Worten. Mit zitternder Stimme begann sie zu sprechen: »Daß es so kommen würde und mußte, wußte ich in dem Augenblick, als du vor mir standest. Ich habe dir nichts verhehlt … zu lange Jahre habe ich gedürstet – nach dir, Arno, ohne es zu wissen. Aber jetzt antworten kann ich dir noch nicht, denn ich weiß nicht – was ich soll. Hättest du nicht die Kleinen, die du liebst, die an dir hängen, denen du Vater und Vorbild sein sollst – sieh, dann wüßt' ich's. Laß mir Zeit, Arno, dränge mich nicht. Sprich mir nicht mehr davon, ich will's dir selber sagen, wenn ich Klarheit habe …«

Ihre Stimme klang flehend und zerbrochen.

»Daß ich dir Kampf und Leid bringen muß!« schluchzte er.

»Du hast mir die Seligkeit meines Lebens gebracht, Arno – ob sie Stunden dauert oder Jahre, ist gleich. – Es gibt Blumen, die nur einmal blühen – sagte mir einmal eine alte Freundin – und vielleicht nur eine kurze Stunde lang, aber zum Blühen und zur Vollendung kommen sie doch, früher oder später. – Du hast mir meine Blüte geschenkt, Arno, und ich habe nicht umsonst gelebt. Das ist das eine, das andere aber ist: dein Gelöbnis und daß du Vater bist und Pflichten hast.«

»Ja! Ja!« stöhnte er.

Sie sah ihn leuchtend an. »Du Armer, Lieber!« sagte sie, »daß du deine Pflichten nicht leicht nimmst, das macht dich mir ja noch lieber.« Sie schwieg, in sich versunken, dann fuhr sie leise und fast feierlich fort: »Die nächsten Tage werden es mir sagen, wie lieb ich dich habe – denn noch kenne ich mein Herz nicht – ob für die Ewigkeit, Arno, und daraus folgt Trennung, oder für die Zeit. Trage mich heim, Arno, Geliebter, und sprechen wir nicht mehr darüber. Ich sage es dir selbst.«

Er beugte sein Haupt tiefer und tiefer. Ihm war, als sei sein Urteil schon gesprochen – ehrfurchtsvoll, von heiligen Schauern erschüttert, berührte er ihren Fuß mit seinen Lippen.

»Trage mich heim!« gebot sie tonlos.