»O – gern!« sagte er ein wenig gönnerhaft. »Du bist mir doch viel lieber als Tante Elisabeth, die redet immer so gräßlich fromm.«
Sie lachte hell auf.
»Wie du lachen kannst!« sagte er anerkennend, »und doch hast du weiße Haare!«
»Wir wollen noch oft zusammen lachen – du mußt mir aber auch alle deine Schulstreiche erzählen, gelt?«
»Hm,« meinte er listig zwinkernd, »wenn wir erst damit anfangen, gibt's sobald kein Ende. Ich bin aber Primus in Sekunda geworden – weißt du das schon?«
»Potztausend!« sagte Sibylle mit lachenden Augen, »da wird sich der Papa aber gefreut haben!«
»Na und ob!« meinte der Junge selbstbewußt. »Ich hab' ja auch nur Papa zuliebe gebüffelt, denn eigentlich mach' ich mir aus dem ganzen gelehrten Kram wenig. Landwirt möcht' ich werden! Das ist doch eine andere Sache!«
»Du bist ja ein Blitzkerl!« sagte Sibylle strahlend. »Was sind denn sonst deine Passionen? Schlittschuhlaufen, Skilaufen, Reiten und, ich wette, Sahnentörtchen – heraus mit den Leibspeisen, Junge!«
»Oho! Das kommt später – ausführlich. Ich hab' dir aber noch was mitgebracht, Tante Sibylle. Erst die Pflicht, dann das Vergnügen. Das ist nämlich Papas Lieblingsspruch.«
Er suchte umständlich in seinen Taschen und holte eine Photographie hervor. »Das da ist Marie-Sibylle!« sagte er mit verschämtem brüderlichen Stolz. »Ein ganz passables Mädel – nicht? Und hier – das schickt dir der Papa, das hast du ihm einmal als kleines Mädel geschenkt. Vielleicht macht es dir Freude. Ihm ist es lieber als alle Schätze – komisch, was? Aber Papa kann man so was nachsehen – er ist schon so besonders!« schloß er großmütig. Wichtig überreichte er ihr eine alte Zündholzschachtel. Sie zog sie auf, darin lag in verblaßtem rosa Seidengewand ein winziges Püppchen – Lady Rosalind.