Zwei Jahre waren hingegangen und ein Gerücht verbreitete sich, Annunziata wolle den dicken Bäcker Philippo Grimaldi in Genua heiraten. Pietro verlor den Schlaf und ward rauflustiger denn je. Beim Bocciaspiel hörte man sein zorniges, rauhes Lachen, und bei seinem Meister arbeitete er mit einer Vehemenz, die ihm den Spott der übrigen Gesellen und die Achtung des Meisters eintrug. Wenn die anderen laute sozialistische Reden führten, nickte er nur grimmig und ward schweigsamer und trotziger denn je.

Da geschah es an einem strahlenden Morgen, daß Annunziata auf ihrem gewohnten Wege nach Nervi eine rote, glühende Nelke aus ihrem Körbchen zog, quer über die Straße ging und die Blume mit einem leisen Nicken ihres Madonnengesichtchens dem Pietro vor die Füße fallen ließ.

»Komm um die Mittagszeit an den großen Stein,« lispelte sie.

Pietro glaubte seinen Sinnen nicht zu trauen. Versteinert stand er da. Leicht war sie an ihm vorübergeschritten – aber da lag ja die Nelke – er hob sie hastig auf und preßte sie an die Lippen. Er hatte also nicht geträumt, und die Worte vom Stein hatte sie wahrhaftig gesprochen. – Lange vor Mittagszeit fand er sich auf dem Platz ein.

Fiebernd vor Erwartung stand er da. Wenn sie ihn angeführt hätte …! Aber da kam sie mit sittig gesenkten Augenlidern um die Ecke geschritten, leicht wie eine Elfe, schön wie eine Madonna.

Sie warf einen scheuen Blick auf die Nelke in seinem Knopfloch. »Pietro,« sprach sie leise, »der dicke Grimaldi ist mir zuwider. Dir bin ich gut. Sprich du mit dem Großvater …«

Er starrte sie an wie eine Erscheinung. Träumte er denn nicht?

»Annunziata …« stammelte er, »o Annunziata!«

Er griff nach ihrer Hand, sie drückte seine zitternden Finger leise – dann war sie davongehuscht.