Pietro fühlte den Mut eines Löwen in sich. Und mit dem Ungestüm eines hitzigen Knaben verdarb er sich seine Sache.

Der feiste Vincenzo hörte ihn ruhig lächelnd an und sprach: »So! Ihr junges Volk seid also einig, und nach uns Alten fragt ihr nicht. Nun, wollen sehen, wollen sehen, mein Sohn. Ich gebe keine Versprechungen. Die Zukunft wird's ja zeigen.«

Und was die Zukunft zeigte, das war so entsetzlich gewesen, daß Pietro beschloß, nach Amerika auszuwandern, um nicht vor Wut und Gram zu ersticken und zum Mörder zu werden.

Annunziata wurde zwar nicht mit dem dicken Bäcker Grimaldi versprochen, aber mit dem reichen, hübschen Kaufmann Torresino, und das Schlimmste – sie war ganz glücklich.

»Ich hab' mein Herz nicht gekannt, Pietro – jetzt erst weiß ich, was Liebe ist. Verzeih mir.«

Er verzieh nicht. Mit dem ersten besten Schiff zog er aus nach Amerika, ein ruheloser Mann.

Viele Jahre trieb er die verschiedensten Hantierungen; Straßenarbeiter war er und Steinklopfer, Hausierer, Handlungsreisender und Diener.

Nach zwölf Jahren erfuhr er vom Tode seiner Eltern. Die Osteria war verkauft. Er erbte einige tausend Lire. Nun eröffnete er ein eigenes Kolonialwarengeschäft. Es glückte ihm nicht. Sein Geld sickerte ihm durch die Finger. Wieder stand er mittellos wie einst auf der Straße.

Da nahm sich seiner ein deutscher Maler an. Es war ein echter Künstler mit einem weiten, warmen Herzen. Pietro blieb bei ihm als Diener und sah ihm so viel von seiner Kunst ab, daß er sich selbst darin zu versuchen begann. Der Maler hatte seine Freude daran, und für Pietro erschloß sich ein neues Leben.