Er blieb bei seinem gütigen Herrn, der ihm mehr ein Freund war. Sie durchstreiften auf langen Reisen Amerika, hielten sich in den verschiedensten Städten auf, und der Künstler sprach davon, den treuen Pietro zu seinem Erben zu machen. Ehe er an die Ausführung seines Testaments ging, ereilte ihn der Tod.
Nun war Pietro ganz und gar vereinsamt. Nur das Malgerät seines Freundes und Herrn durfte er sich aneignen. Wieder stand das Leben leer und öde vor ihm wie ein dunkles, fragendes Rätsel.
Da packte ihn die Sehnsucht wieder, in seine Heimat zu ziehen – nach dreiundzwanzig Jahren.
So saß er nun auf seinem Stein, dem einzigen Gegenstande, der im Wechsel der Zeiten der gleiche geblieben war – heimatlos, vereinsamt wie zuvor.
Mit einem schweren Seufzer stand er auf, faßte den Ranzen gleichgültig am Riemen und warf ihn über den Rücken. Suchend schritt er die hohe Häuserreihe entlang. Wäschestücke flatterten melancholisch an Seilen über seinem Haupte. Aus den Fenstern eines weitläufigen Gebäudes schallte wüster Streit.
Behäbig stand der Schenkwirt in Weste und Hemdsärmeln an der Tür einer Osteria und horchte lachend zu den Schimpfreden empor, die wie abgeschossene giftige Pfeile aus zwei getrennten Fenstern desselben Hauses auf die Straße flogen.
Zwei wirre, ungekämmte, von Wut entstellte alte Weiberköpfe bogen sich heraus, jeder an seinem Fenster, und schimpften mit auserlesener Übung und Liebe zur Sache.
Zwischen ihnen lag ein geschlossenes Fenster. Die Sicherheit, daß die Streitenden nicht zueinander gelangen konnten, gab ihren Mienen und ihren Worten eine außerordentlich gesteigerte Ausdrucksfähigkeit.
Pietro schob sich an dem Schenkwirt vorüber in die dunkle Osteria und setzte sich an einen Tisch.
»Einen Salami und ein Viertel Chianti!« befahl er kurz.