Aber es war niemand von den Alten da, die das Haus wiedererkannt hätten, und Pietro empfand seine Einsamkeit mit einem Gemisch von drückender Schwüle und wehmütiger Befreiung.
Sein Stein und er waren die einzigen Wissenden; sein Stein und er hatten sich allein etwas zu sagen.
Und aus der Tiefe seiner Seele quoll der Wunsch in ihm hervor, seinem Stein ein anderes geliebtes Bild aufzuprägen.
In feierlicher Stimmung begann er an einem stillen, heißen Sommertage die Züge Annunziatas in Pastellfarben auf den Stein zu zeichnen.
So wie sie damals vor dreiundzwanzig Jahren vor ihm gestanden, lieblich, berückend, mit grauen Madonnenaugen in dem schelmischen Elfengesicht.
Er gönnte seiner Seele diesen Feiertag. Wer wußte hier noch von ihr und ihm?
Es wurde kein Meisterwerk, aber sein Meisterwerk war's immerhin. Nie hatte er Besseres geschaffen. Sein Herz, sein Blut und seine Trauer hatten mitgemalt, und lebendig leuchtete ihm die Annunziata seiner Liebe aus der graubraunen Fläche des Steins entgegen.
Wie immer sammelten sich die Müßigen um den wunderlichen Gesellen.
Die freudige Neugierde, der zufriedene Stolz auf den Künstler und Landsmann machten sich in lauten Beifallsworten Luft.
Der einsame Pietro, er, in dessen verschlossene Seele kein anderer hineingeschaut hatte, er gehörte zu ihnen. Ihnen gehörte dieser Sonderling, den sie nicht begriffen, dieser weltfremde Schweiger, so wie ihnen das stumme Vorgebirge Portofino gehörte, das blaue Meer und die stachligen Agaven. Ein Gewächs ihres schönen Landes war er wie sie. Wer fragte danach, warum das Meer so blau, warum Portofino so schön, warum die Agavenblätter so spitz und drohend aussahen wie Schwerter? Es war so, und daher nahm man die Dinge so, wie sie waren, die Dinge und die Menschen. Mit einer gewissen Selbstverständlichkeit und einer Note von überlegenem, gutmütigem Spott.