Elisabeth saß steif und gerade vor dem Piano und spielte gewissenhaft ihre Tonleitern.
Arno sah leuchtend von seinem Buche auf und nickte. Er war ein schöner Knabe von etwa zwölf Jahren. Seine Züge waren regelmäßig und klar. Das nußbraune Haar lockte sich ein wenig und fiel in die hochgewölbte weiße Stirn. An den Schläfen spielte leicht ein zartes blaues Geäder. Ein paar stahlgraue Augen blitzten keck über der kühn geformten Nase und widersprachen in ihrem Ausdruck der frauenhaften Zartheit des Mundes.
Lebhaft sprang er auf, aber Sibylle hielt ihn schüchtern am Arm fest.
»Möchtest … möchtest du gern König sein?« flüsterte sie gespannt.
Er sah sie lachend an. »Lieber schon Indianerhäuptling, aber warum fragst du, Silly?«
Sie antwortete nicht. Über ihr schmales Gesichtchen flog eine leise Röte. Mit leichten Schritten verließ sie das Zimmer, Arno folgte ihr hastig.
»Wohin gehst du, Arno?« fragte Elisabeth.
Er sah sie spöttisch an. »Wohin ich will!« sagte er ungeduldig. »Du hast nicht immer aufzupassen.«
Er lief mit Sibylle die Treppe empor. Beide Kinder traten gleichzeitig in das Kinderzimmer.