„Ich habe das auch immer entgegen gehalten und habe gesagt, man sollte ihnen wenigstens den Mund nicht verstopfen. Aber Prescott wollte nichts davon wissen. Er sagte, sie machten dann einen solchen Lärm, daß alles in die Brüche ginge.“
„So?“ P. Middleton wußte genug. „Ich will mir den Fall weiter überlegen. Du kannst gehen.“
„Aber, Pater, seien Sie überzeugt, daß ich mich bessern will. Haben Sie noch einmal Geduld mit mir! Ich weiß, daß ich mich bessern kann, wenn ich will. O, bitte, Pater, sorgen Sie doch, daß ich nicht weggejagt werde! O, ich hätte nie gedacht, daß es so weit mit mir kommen würde. Ich versichere Sie, es soll anders werden.“
„Nun ja,“ erwiderte P. Middleton, bewegt durch die Reue und die Angst, welche aus des Knaben Zügen sprach. „Ich will versuchen, ob sich etwas für Dich thun läßt; versprechen kann ich Dir freilich nichts, denn alles hängt von jemand anders ab. Morgen gebe ich Dir Nachricht, und ich hoffe, gute.“
„O, ich danke Ihnen, Pater! Ich will Ihnen in Zukunft folgsamer sein, als bis jetzt.“
„Hab’ mir’s doch gedacht!“ fuhr P. Middleton bei sich selber fort, als Kenny das Zimmer verlassen hatte. „Prescott ist der Hauptschelm; Kenny war nur die Tatze, die er vorstreckte. Wahrscheinlich hat er seinen Leuten eingeredet, es werde niemand fortgeschickt, weil ihrer zu viele seien. Er muß einen großen Einfluß auf sie besitzen, sonst hätten sie sich zu dieser Gemeinheit nicht hergegeben. Sein Hiersein ist eine ständige Gefahr für den guten Geist unserer Kinder. — Mein Gott! so weit ich denke und gehört habe, ist ein ähnlicher Fall doch noch nie in einem unserer Pensionate vorgekommen.“
Unterdessen begingen die drei Freunde in der Infirmerie, wie Harry sich auszudrücken beliebte, eine ‚hochfein altehrwürdige Zeit‘. Tom und Harry hatten einen gar nicht zu verachtenden Appetit von ihrer Exkursion mitgebracht, und was ihnen vorgesetzt wurde, war ebenfalls nicht zu verachten. Wie der Toast verschwand! und die Eier und der Schinken! Man darf nicht weiter davon reden, um die Braven nicht in üblen Geruch zu bringen. Percy allerdings war zu sehr ermüdet, um dem Mahle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Sein Geist jedoch war ganz frisch und mit gewohnter Lebhaftigkeit nahm er, in einem großen Lehnstuhle sitzend, an der Unterhaltung teil.
Der gute Krankenbruder hatte die Geschichte dieses Nachmittags bereits von Percy vernommen, zwang aber nichtsdestoweniger Tom, sie noch einmal zu erzählen. Endlich bewog er Harry, noch eine dritte Auflage zu veranstalten. Das wurde freilich keine verbesserte — die erste war die beste gewesen — aber eine ganz bedeutend vermehrte. Harrys Phantasie offenbarte eine staunenswerte Fruchtbarkeit. Eine ganze Reihe von Einzelheiten, von denen Tom und Percy nichts erlebt hatten, erfand er fröhlich dazu und erzählte sie so haarklein, als ob er wirklich mit dabei gewesen wäre. Tom und Percy wußten ihrem Staunen keinen Rat und hatten alle Mühe, ihn bei den Thatsachen zu halten, wodurch natürlich das Vergnügen des Bruders nur um so größer wurde.
„Die Geschichte ist so gut, als stände sie in einem Buche,“ sprach er zuletzt. „Und hätte ich Zeit, ich würde sie aufschreiben, herausgeben und viel Geld damit verdienen.“
Harry Quip war überhaupt heute so lustig wie noch nie. Eine Schnurre nach der anderen fiel ihm ein, so daß der Saal von dem heitern Lachen der kleinen Gesellschaft fortwährend widerhallte.