P. Middleton begab sich ruhig zu Prescotts Pult, öffnete es und übersah die Bücher: die lateinische Grammatik war da. Unverändert blieb das Gesicht des Präfekten. Er wußte ja, das jegliches Auge im ganzen Saale auf ihn gerichtet sei.
Er kehrte zu Kenny zurück.
„Wessen Pult schloß Prescott, als Du ihn sahest?“
„Das von Percy Wynn.“
„Gut. Jetzt, Karl, geh’ hinaus und erwarte mich auf dem Gange. Ich komme bald und habe Dir dann höchstwahrscheinlich etwas zu sagen. — Du brauchst keine Angst zu haben,“ fügte er bei, als er bemerkte, daß Kenny böse Kunde befürchtete. „Ich habe Deinetwegen schon mit dem hochwürdigen P. Rektor gesprochen. Es geht alles gut.“
Er ging jetzt zu Percys Pult. Percy besaß, wie die meisten Mauracher Zöglinge, ein schönes, verschließbares Kästchen aus Metall zur Aufbewahrung von Briefen, Geld und etwaigen kleineren Wertsachen. Dieses Kästchen stand offen, es war aufgebrochen worden. Ein Blick zeigte, daß die Briefe nicht berührt waren, aber eine Anzahl Photographien lag da zerrissen — die Photographien von Percys Eltern und Schwestern.
„Das arme Kind!“ dachte P. Middleton. „Diese Gefühllosigkeit ist ihm bitterer als der Verlust von noch so viel Geld. Gäbe es doch ein Mittel, ihm diese traurige Entdeckung zu ersparen! — Vielleicht ist ihm aber auch Geld gestohlen! Richtig! heute Morgen sprach er ja von dem Taschengeld, das er noch in seinem Pulte habe. Und hier ist nichts mehr.“
Er schloß das Pult und verließ den Saal.
„Wir müssen den Verdacht hegen,“ sprach er zu dem draußen harrenden Kenny, „daß Prescott zu einem ganz andern Zwecke hier im Saale war, als er vorgab. Er ist weggelaufen, wie Du wahrscheinlich auch schon vermutet hast. Erzähle das niemanden! Sage, er sei aus der Anstalt ausgeschlossen, was vor einer Viertelstunde wirklich geschehen ist. Auch daß Du ihn hier gesehen, darf nicht bekannt werden. Jetzt geh’ nur zu Deinen Büchern zurück!“
Nach einem kurzen Besuche beim Rektor verfügte sich P. Middleton wieder auf sein Zimmer, um nachzusinnen, wie er Percy Wynn vor einem herben Schmerze bewahren könne. Endlich glaubte er einen Ausweg gefunden zu haben. Er ergriff die Feder und schrieb folgenden Brief: