Sehr geehrter Herr Wynn!
Percy besaß, wie Ihnen ohne Zweifel bewußt ist, eine Anzahl Photographien seiner Lieben. Diese Photographien sind ihm nun zerrissen worden, und zwar von einem Knaben, der — ich schäme mich, es zu sagen — bis vor einer Viertelstunde Zögling dieser Anstalt war. Percy selbst weiß es noch nicht. Ich fürchte aber, die Entdeckung dieser Roheit würde dem gefühlvollen Kinde sehr zu Herzen gehen. Deshalb sende ich Ihnen die Stücke zu mit der Bitte, die Photographien neu herstellen und an mich abschicken zu lassen. Auf diese Weise braucht Percy nie zu erfahren, daß dieses teure Andenken an ein glückliches Familienleben so grausam mißhandelt worden ist.
Mit vorzüglicher Hochachtung
A. Middleton, S. J.
Als der Brief vollendet war, schellte es zu einer kurzen Unterbrechung der Studien. P. Middleton eilte hinaus, und als der letzte Zögling den Saal verlassen, trat er an Percys Pult, nahm das Kästchen heraus und trug es in sein Zimmer. Allein die Zöglinge waren heute gegen ihre sonstige Gewohnheit sehr still, und in Gruppen beisammen stehend flüsterten sie geheimnisvoll miteinander.
Gegen Ende der kleinen Erholungsfrist näherte sich Donnel mit etwa fünf andern dem Präfekten.
„Ist es wahr, Pater, daß Prescott geschaßt ist?“
„Das ist wahr, Johann. Ich hoffe, er ist auch der letzte, der dieses Jahr fort muß.“
Er zog seine Schelle hervor und gab das Zeichen zum Schlusse der Erholung.
„Ich denke,“ fuhr Johann Donnel fort, „er wird bei diesem herrlichen Wetter nicht auf der Plattform stehen, sondern sich fein im Wagen halten. Puh, welch ein kalter Wind diese Nacht pfeift! — Er hat doch den Sieben-Uhr-Zug genommen, Pater, nicht wahr?“
„Lauf, Donnel, es ist Zeit!“ war die Antwort des Präfekten.