Vor der Schule wurde Tom zum P. Studienpräfekten oder Direktor gerufen, um zu seiner angenehmsten Überraschung zu erfahren, er solle mehrere Schulstunden einstweilen nicht besuchen, sondern während derselben Percy in der Repetition der lateinischen Grammatik behilflich sein. Eine erwünschtere Nachricht hätte beiden kaum werden können.
Percy hatte in den zwei Monaten, während welcher er die Schule besuchte, zwar schon manches gelernt, sich gemerkt und auch in der Grammatik nachstudiert. Doch wie staunenswerte Fortschritte der begabte, fleißige und geistig gewandte Schüler auch gemacht, es war für ihn eine bare Unmöglichkeit gewesen, in dieser kurzen Zeit das Pensum hinreichend zu bewältigen, für welches seine Klassengenossen ein ganzes Jahr ernsten Unterrichts gebraucht hatten. Er wußte zwar vieles, hatte aber außer den Deklinationen noch keinen der verwickelteren Abschnitte im Zusammenhange durchgenommen.
Das konnte jetzt mit Muße geschehen. Tom wußte seine Grammatik und hatte zudem noch frisch im Gedächtnis, auf welche Art und Weise sein hochverehrter Lehrer Middleton im vorigen Jahre verfahren war. Er suchte das jetzt treulich nachzuahmen, obgleich es ihm oft herzlich schlecht gelang. Nach dem Erfolg zu urteilen, war jedoch seine Unterrichtsweise vortrefflich. Sehr bald hatte sein gelehriger Schüler die Pronomina gut verstanden. Es folgten zur Abwechslung einige Zählübungen: 222 Köpfe von 222 Füchsen, oder: 3131 Pferde haben 3131 Schwänze und 12524 Beine. Aber Percy ließ sich mit dergleichen Fußangeln nicht oft fangen, sobald er einmal die Grundregeln begriffen hatte.
„Wenn Du so weiter lernst, bist Du bald gelehrter als ich,“ sprach Tom nach einiger Zeit.
Percy aber lernte so weiter und wurde auch richtig gelehrter als sein jüngerer Herr Professor.
Nicht selten wurde Percy auch durch einen Besuch von P. Middleton beehrt.
„Nun, wie geht’s dem Schnellläufer?“ Mit dieser Frage trat er eben wieder ein.
„O, vortrefflich! Pater. Alle Welt ist so gut und liebevoll gegen mich. Sehen Sie nur, was für einen feinen Lehnstuhl mir der Bruder heute gebracht hat! Ich merke, daß es fast stündlich besser wird. Gestern konnte ich schon etwas gehen, und ich glaube, nach acht Tagen sind meine Beine wieder gerade so gut, oder eigentlich gerade so schlecht, wie früher.“
„Aber es wird Dir wohl oft langweilig, nicht wahr?“
„O nein, Pater! Tom kommt ja immer, um mir Stunden zu geben. Wir haben schon viel miteinander durchgenommen, und ich weiß alles gut. Die Pronomina, die Komparation und auch die Zahlwörter kann ich. Tom sagte, die Pronomina seien so schwer zu verstehen. Aber ich fand sie leicht, weil ich früher sehr viel englische Grammatik studiert habe. Nur die Konjugation ist noch ein gutes Stück Arbeit. — Wenn ich vom Studieren müde bin, lese ich ‚Dion und die Sibyllen‘, das mich ganz an ‚Ben Hur‘ erinnert. Diese beiden Bücher gefallen mir sehr.“