„Erzählungen höre ich ganz gern,“ versicherte Tom. „Deshalb werden mir die Deinen gewiß Freude machen.“
„O sicher, Tom! — Aber weißt Du auch, weshalb ich hierhin gekommen bin? Meine liebe Mama wurde plötzlich krank, und als sie genesen war, schrieb ihr der Arzt eine Erholungsreise nach Europa vor; Papa ist vor mehr als zwei Monaten mit ihr abgereist. Meine Schwestern sind alle zu den Klosterfrauen vom Göttlichen Herzen ins Pensionat gekommen, mit Ausnahme der ältesten und der jüngsten, die in Baltimore bei unserer Tante sind. Meine Schwestern schreiben mir abwechselnd jeden Tag. Thun das Deine Schwestern auch, Tom?“
„Ich habe keine Schwestern,“ sprach Tom lächelnd, aber in diesem Lächeln war doch ein Anflug von Traurigkeit.
„Was, Tom? Keine Schwestern?“
„Nein, gar keine; und auch keinen einzigen Bruder.“
Percys Staunen ging in Mitleid über.
„Armer Junge!“ rief er und schlug die Hände zusammen. „Wie bist Du denn überhaupt fertig geworden?“
„Ich habe mir eben so durchhelfen müssen. Meine Mutter“ — hier war Tom dem Weinen nahe — „ist auch schon lange tot.“
Percy erwiderte kein Wort, aber seine ausdrucksvollen Züge sprachen das innigste Mitgefühl aus; er ergriff Toms Hand und drückte sie herzlich.
Es dauerte eine Weile, bis Tom seine innere Bewegung verwunden und seine gewöhnliche, jugendfrische Stimmung wiedergewonnen hatte.