„Das war alles für mich eine ganz neue Welt. Es war so schön und gefiel mir so, daß ich fürs Heimweh keine rechte Zeit hatte.“
„Jawohl,“ fuhr Tom fort. „Das konnte ausreichen, solange Du gesund und wohl warest. Aber hier in der Infirmerie hörte die angenehme Abwechselung auf. Ich dachte, Du bekämest sicher Heimweh, aber ich habe Dich niemals betrübt gesehen.“
„O, ich habe ja immer studiert und gelesen. Während man lateinische Grammatik treibt, kann man doch kein Heimweh haben!“
Tom erwiderte nichts, aber er schien zu fühlen, daß Percys stete Heiterkeit hiermit nicht genügend erklärt sei. Percy bemerkte das und sprach nach kurzer Überlegung:
„Nun ja, Tom, Dir will ich es ganz erzählen. Ich habe einen Freund, der mich nie verläßt, und mit dem ich spreche, so oft mich Traurigkeit anwandelt. Sieh’, hier ist sein Bild!“
Er zog eine kleine, reich verzierte Kapsel hervor und enthüllte vor Toms Augen ein anmutiges Herz-Jesu-Bildchen.
Toms Antlitz drückte die unverkennbarste Freude aus.
„Das ist ein herrlicher Gedanke!“ rief er.
„Nicht wahr? Ich habe mehr als einmal erfahren, wie ein paar Worte mit dem Herzen Jesu mir wieder Freude und Mut einflößten.“
„Ich selbst mache es übrigens ähnlich,“ entgegnete Tom und zog ein ziemlich abgenutztes Skapulier des göttlichen Herzens aus der Tasche. „Es ist nicht viel daran zu sehen. Aber wenn ich ärgerlich oder brummig werden will, oder wenn beim Studieren die Ermüdung kommt, so greife ich in die Tasche und erfasse es. Das bringt mich regelmäßig wieder in Ordnung. — Was nun unsere Stunden angeht,“ fuhr Tom fort, „so haben wir jetzt das meiste durch, das Du wissen mußt, und werden heute gut fertig. Den Rest kannst Du Schlauberger ganz gut neben der Klasse nachstudieren.“