„Die Geschichte ist an sich gar nicht lustig, sie hat nur den Anschein des Lustigen, und zwar weil sie so geschickt erzählt ist.“
„Ganz gut, Wynn. An sich ist die Geschichte eher eine traurige. Ich will Euch sagen, worüber Ihr gelacht habt, aber mit den eigentlichen Worten; ich will Euch, wie man sich auszudrücken pflegt, das Kind mit dem rechten Namen nennen: Ihr habt gelacht über die Lümmelei eines Erzlümmels.“
Bestürzt sahen die Schüler einander an.
„Ihr braucht aber nicht zu fürchten, ich wäre deshalb mit Euch unzufrieden. Ihr seid noch zu jung, um den Unwert, ja die Bosheit dieser Geschichte gleich beim ersten Hören zu durchschauen. Die anziehende Darstellung mußte Euch irreführen.“
Kenny, der kein Wort des Paters verloren hatte, erhob jetzt seine Hand.
„Zeigen Sie uns doch im einzelnen, Pater, warum diese Erzählung so schlecht ist. Ich sehe es dunkel ein, wäre aber nicht im stande, mir darüber Rechenschaft zu geben.“
„Sehr gern, Kenny. — Jedermann lacht, und lacht mit Grund, wenn einem andern ein guter Streich gespielt wird. Ich sage ein guter Streich; das setzt nämlich voraus, daß keine unrechten Mittel dabei zur Verwendung kommen, und daß dem Angeführten um des Scherzes willen kein eigentlicher Schaden an Ehre und Vermögen, an Leib und Seele erwächst.
Betrachten wir nun unsere Geschichte. Sie berichtet keineswegs einen unschuldigen Scherz, der dem Professor gespielt wird. Der schiefe Philipp bietet sich an, dem Professor ein sehr zahmes Pferd zu verschaffen, obgleich er den Willen hat, das gerade Gegenteil zu thun: er lügt. Das Mittel also, das den ganzen Streich ermöglicht, ist eine Sünde. Und erst was für eine Sünde! Ihr wißt zwar, daß die Lüge, wie häßlich sie auch ist, doch an sich keine schwere Sünde ausmacht. Sie kann aber eine Todsünde werden. Und das geschieht hier. Skipper, was hat jemand zu befürchten, der ohne die einfachsten Kenntnisse im Reiten ein heimtückisches, wildes, unlenksames Roß besteigt?“
„Es ist nicht unmöglich, daß ihn der erste Ritt das Leben kostet.“
„Was meinst Du, Wynn?“