„O mein Gott, ich wage gar nicht, daran zu denken.“
„Und Du, Playfair?“
„Wenn er mit dem Leben davonkommt, darf er von Glück sagen; zum mindesten wird er wohl Arm oder Bein oder ein paar Rippen brechen.“
„Sehr richtig — oder sich eine schwere innere Verletzung zuziehen, was oft viel schlimmer ist als ein Beinbruch. Nun bleibt zwar der Professor von ernsteren Unfällen verschont; allein das ist nicht Philipps Verdienst. Seine Lüge ist einzig nach dem zu beurteilen, was er, der alt genug war, voraussah. Wer einen Streich spielen will, darf die Verhütung schweren Unglücks nicht dem blinden Zufall überlassen. Philipps leichtfertige Lüge bringt also den arglosen Mann in die höchste Gefahr. Darum ist sie hier eine Todsünde, verdammenswerter, als mancher Diebstahl, der mit hartem Zuchthaus gebüßt wird. — Ich glaube, jetzt, da Ihr dieses einseht, wäret Ihr nicht mehr im stande, über die Geschichte zu lachen. — Der schiefe Philipp soll ein Held sein. Gott urteilt ganz anders über ihn; nach Gottes Urteil ist er ein Verbrecher, und seine Heldenthat hat ihm die Hölle verdient. — Nicht wahr?“ fügte P. Middleton lächelnd bei, „Ihr habt nicht gewußt, was Ihr thatet.“
Erstaunt, fast entrüstet über sich selbst und doch wieder sichtlich erfreut über die gewonnene Kenntnis sah die Klasse zu ihrem Lehrer auf.
„Wie war es nur möglich, Pater,“ fragte Quip, „daß wir so dumm sein konnten?“
„Sehr einfach. Der Erzähler versteht es, die Aufmerksamkeit des Lesers von der Bosheit abzulenken. Jedermann ist unwillkürlich geneigt, beim Lesen alles so anzusehen wie der Schriftsteller selbst, und das um so mehr, je mehr seine ganze Sprechart uns gefällt und uns fesselt. Unser Erzähler thut nun gleich, als wäre Philipps Lüge nicht im mindesten tadelnswert. Jeder Leser, der noch nicht gelernt hat, stets auf seiner Hut zu sein, wird dadurch verleitet, in derselben nichts Schlimmes zu erblicken. Besonders verführerisch ist auch der gute Ausgang. Euer Lachen würde sicher gleich verstummt sein, wenn erzählt worden wäre, der Getäuschte hätte wirklich den Tod gefunden. Da hätte sich die ganze Roheit und Sündhaftigkeit sogleich geoffenbart. Anstatt den Helden zu bewundern, würde jeder Edeldenkende den Verunglückten bemitleiden und dem gewissenlosen Urheber zürnen. Jetzt dagegen sieht man beim ersten flüchtigen Blick bloß eine Reihe Vorfälle, die man lächerlich findet. Man vergißt aber die Lüge und den sündhaften Leichtsinn, welche der ganzen Sache zugrunde liegen, ja ohne es zu merken lacht man auch über sie — über eine Sünde.
Ich habe aber noch eine andere Frage. Angenommen, der schiefe Philipp brächte es fertig, den Professor in ganz ähnliche, aber völlig ungefährliche Lagen zu bringen. Wäre er dann von aller Schuld freizusprechen?“
Einige Antworten lauteten bejahend, andere zweifelnd. Percy Wynn verneinte es.
„Aber warum nicht?“