Außerhalb der Stadt, wo die Gebäudereihen der Hauptstraße sich in vereinzelten Häusern fortsetzten, erblickte er eine Gruppe Knaben, die alle in der fröhlichsten Stimmung zu sein schienen. Sie umstanden irgend etwas, das Percy nicht unterscheiden konnte, da es in ihrer Mitte auf der Erde lag, und das offenbar der Grund ihres Gelächters und ihrer Freudenrufe war.
Als jedoch Percy näher kam, erkannte er mit Schmerz, daß diese Freude nichts war als die niedrigste Schadenfreude. Von ihnen umringt lag auf dem Boden ein feingekleideter junger Mann in bewußtlosem Zustande, mit einer noch leicht blutenden Wunde am Kopfe. Der Mann war betrunken. Sein Gesicht zeigte jene geistlosen, stumpfsinnigen Züge, welche die Folge eines übermäßigen Genusses von geistigen Getränken sind. Sein Hut lag schmutzig und zerdrückt neben ihm.
Was aber Percys Mitleid noch viel mehr rege machte, war ein weiterer Umstand. Neben dem Betrunkenen kniete ein wohlgekleideter, hübscher Knabe von acht oder neun Jahren, in vornehmem Anzuge, die Wangen entfärbt vor Furcht und Scheu, die thränengefüllten Augen mit dem Ausdrucke tiefsten Leides auf den Bruder gerichtet. Seine Schulbücher waren ihm entfallen und lagen zerstreut auf dem Boden umher, ein Zeichen, daß er eben auf dem Wege von der Schule gewesen. Die herzlosen, kleinen Zuschauer aber waren seine Mitschüler, vermehrt durch ein paar junge Stadtbummler.
„Lincoln!“ rief das Kind unter Schluchzen, „steh’ doch auf und geh’ mit nach Hause!“
„Rüttle ihn mal!“ sprach eine rohe Stimme.
„Er hat ganz gut getrunken,“ höhnte ein anderer.
„Warte ein wenig!“ rief ein Dritter von hinten, „ich komme gleich und zeige Dir, wie man ihn auftreiben kann.“
Percys Herz brannte vor Entrüstung über diese Gefühllosigkeit. Nicht mehr wie bisher zu neckendem Scherz, sondern in ernstgemeintem Zorne ballte sich seine Hand.
Der arme Kleine aber schien von diesem Spotte soviel wie nichts zu merken. Der Bruder allein nahm sein Denken in Anspruch.
„O Lincoln!“ jammerte er mit zitternder Stimme, „komm’, geh’ doch nach Hause! Papa würde ja sehr traurig, wenn er Dich wieder so daliegen sähe.“