„Dann wollen wir erst ein wenig still zu Gott beten; denn es ist eine große Gnade.“
Eine kurze Weile schwiegen sie.
Um sie her schwieg die weite, weiße Prärie; schweigend sanken die zahllosen Schneeflocken in unsicheren Bahnen herab; nur in der Ferne ertönte der schrille Pfiff der Lokomotive durch die lautlose winterliche Stille.
Aus zwei Herzen aber stieg ein flehentliches Gebet empor zu Gott, dem Herrn der Menschenseele, der die Werke seiner Hände nicht vergißt und nahe ist denen, die ihn suchen. Es war, als ob durch die wirbelnden Schneeflocken Engelsgestalten lugten, mit Sehnsucht des Augenblicks harrend, da sie sich über einen büßenden Sünder freuen könnten.
„Küssen Sie das Kruzifix noch einmal!“ begann Percy wieder; er sah, daß der Tod schneller komme, als er erwartet hatte. „So — jetzt sprechen Sie mir von Herzen nach, was ich Ihnen vorbete.“
„O mein Gott — es thut mir leid gesündigt zu haben — weil ich weiß — daß Du so gut gegen mich bist — weil Jesus Christus sein Leben für mich geopfert hat — weil Du mich im Himmel selig machen willst — weil ich weiß — daß es nichts Größeres und Schöneres giebt als Dich. — O mein Gott — ich liebe Dich über alles. — Ich will Dich nie wieder beleidigen.“
Langsam und deutlich sprach Percy diese Worte und bemerkte an der Bewegung der Lippen, daß der Sterbende jeden Absatz nachsprach.
Das Getöse des Zuges war deutlich vernehmbar.
„O mein Jesus, Barmherzigkeit!“ sprach Percy abermals, und der Sterbende wollte es wiederholen. Allein es gelang ihm nicht. Ein heftiger Hustenanfall befiel ihn; aber er hatte zum Husten nicht mehr Kraft genug. Sein Atmen verstummte, das Auge richtete sich noch einmal auf seinen Wohlthäter, die Arme bewegten sich in der Not eines Erstickenden, das Gesicht nahm den Ausdruck der Todesangst an. Noch einmal sprach ihm Percy das kleine Schußgebetchen vor und glaubte zu bemerken, daß er es wiederhole.
Da rollte der Zug vorbei, und der Boden zitterte unter ihm, der Zug in seiner Kraft und Majestät, das Zeugnis von der Größe und Macht des menschlichen Geistes, der Zug mit so vielen reichen Menschen, deren Herz sich nie einem leidenden Mitmenschen in Liebe erschlossen, deren Auge nie das Elend geschaut, deren wohlgespickte Börsen sich nie zur Linderung von Not und Armut geöffnet hatten. Und während die stolze Wagenreihe vorüberflog, gab der verlassene, von der ganzen Menschheit hinausgestoßene Arme betend seinen gottentsprossenen Geist mit Gott versöhnt in die Hände seines Schöpfers und Erlösers zurück.