„Nein, ich thue es nicht!“ erklärte Tom fest und entschieden.

„Nicht? ich habe mir doch gleich gedacht, Du wärest ein Feigling. Versetz’ ihm eines, Dick! Er soll!“

Dick folgte der Anweisung, stürzte sich auf Tom und führte einen Stoß gegen ihn. Tom erhob halb unschlüssig die Hände, um sich zu schützen, vermochte aber den Stoß nur teilweise abzuwehren und wurde im Gesichte getroffen.

Tom war nun keineswegs leicht zu erzürnen, aber andererseits auch kein Engel der Sanftmut. Der plötzliche, so ganz ungerechtfertigte Angriff, sowie das Gefühl des Schmerzes ließen ihn jetzt sich selbst und seiner Aufgabe vergessen; er ballte die Faust und führte einen so kräftigen Stoß auf seinen Gegner, daß dieser nach rückwärts taumelte und fast zu Boden fiel. Wie der Blitz war Tom bei ihm, um ihn völlig niederzuwerfen. Allein die erhobenen Hände senkten sich: Tom gedachte des Unglücklichen, der mit dem Tode ringend auf der Prärie lag, dachte an Percy, der ohne genügende Kleidung diesem Wetter schutzlos ausgesetzt war. Inbrünstig betete er um Entschlossenheit und Mut. Und die Gnade kam in sein Herz, sanft und lieblich, wie die Schneeflocken, welche jetzt die Luft erfüllten.

„Wenn Ihr wollt,“ sprach er, indem er einen Schritt zurücktrat, „so schlagt nur beide auf mich los. Ich wehre mich nicht. Nur um eines bitte ich Euch. Nicht weit von hier liegt ein armer Mann auf der Prärie und stirbt vor Hunger. Wenn Ihr dann mit mir fertig seid, so geht doch hin, ihm zu helfen, oder verschafft ihm sonst Hilfe! Und Dich bitte ich von Herzen um Verzeihung, Dick, weil ich Dich in der Hitze geschlagen habe.“

Während dieser Worte hielt Tom mit seiner rechten Hand in der Jackentasche das Skapulier des göttlichen Herzens gefaßt, das er einstens Percy gezeigt hatte. Seine Wangen waren blaß, aber unerschrockenen Auges erwartete er den Ausbruch niedriger Rache, den er als unvermeidlich vorauszusehen glaubte.

Allein Gott war mit diesem guten Willen zufrieden. Seine Worte bewirkten etwas ganz anderes, als er gedacht hatte.

Dick errötete — oft mochte ihm das nicht passiert sein — und auch auf Kracher schienen Toms Worte einen sehr tiefen Eindruck gemacht zu haben.

„Ein armer Mann?“ sprach er und war sichtlich ergriffen. „Warum hast Du uns das nicht gleich gesagt? Dann hätten wir Dich nicht aufgehalten. Aber was können wir thun? Ich habe etwas Wein bei mir, den will ich gern hergeben.“

„Wein?“ rief Tom erfreut. „Gerade das Rechte. Aber es ist keine Zeit zu verlieren; er kann jeden Augenblick sterben.“