„Das beste, was ich Dir sagen kann, Percy, ist, daß Du gut spielen lernst; dadurch bekommt Deine Gestalt von selbst ein kräftigeres, männlicheres Aussehen und die Zöglinge werden schon aufhören, Dich so anzuschauen. Jetzt leg’ Dich zu Ruhe; später können wir ja noch einmal darüber sprechen.“
„Ich danke Ihnen sehr, Pater,“ entgegnete Percy erfreut. Aber zu seinem gewöhnlichen eleganten Knicks wollten sich die gelähmten Glieder nicht verstehen; nach einem vergeblichen Versuche stieg er unter manchem Schmerzensseufzer wieder die Treppe hinauf.
Als Tom ihn weckte, fühlte er sich bedeutend wohler, doch war die Steifheit noch geblieben, so daß er gar nicht daran denken konnte, heute wieder zu spielen.
„Du liest ja so gern, Percy,“ sprach deshalb Tom zu ihm nach dem Frühstück. „Nimm Dir also ein Buch und setz’ Dich ruhig dort hinten auf die Bank; ich komme von Zeit zu Zeit und spreche etwas mit Dir, damit es Dir nicht zu langweilig wird.“
„O Tom, bitte, leg’ Dir meinetwegen keine Unannehmlichkeit auf. Wenn ich ein interessantes Buch habe, bin ich ganz selig. Und jetzt habe ich gerade ein sehr interessantes: ‚Dion und die Sibyllen‘. Mama sagt, es gehöre zu den besten katholischen Romanen, die in unserer Sprache geschrieben sind.“
„Schön, Percy. Also lies! Ich wollte, ich könnte es so wie Du. Aber ich finde die meisten Bücher langweilig. Ich habe fast noch gar nichts gelesen, als ein paar Erzählungen.“
Tom fühlte sehr wohl, daß der mädchenhafte Percy an eigentlicher, nämlich geistiger Reife hoch über ihm stand, und mit einem Seufzer entfernte er sich, um ein Handballspiel mit Quip, das er unterbrochen hatte, fortzusetzen.
Percy aber setzte sich seelenvergnügt auf die Bank und war bald tief in seine Lesung versenkt. Doch sollte er nicht lange ungestört bleiben.
Martin Prescott, der mit Kenny die Geistererscheinung geplant und ausgeführt hatte, konnte sich Percys Charakter noch immer nicht reimen. Er hatte gesehen, wie Percy bei unverschämten Fragen errötete, wie er sich nicht entschließen konnte, über Tom zu springen, wie er in Aufregung geriet, als er Donnel getroffen; er mußte also der vollendetste Feigling sein. Und doch hatte er in der Nacht beim Anblick des Gespenstes nicht die mindeste Furcht gezeigt. Das war Prescott unerklärlich.
„Ah,“ sagte er endlich zu sich selbst, „er hat sicher von unserm Vorhaben Kunde gehabt. Da hinten sitzt er gerade, ganz allein. Ich will ihm doch gleich einmal auf den Zahn fühlen!“