Doch war seine Umkehr noch nicht vollständig. Während er der Stadt zuschritt, entbrannte in seinem Innern ein heftiger Kampf zwischen dem erwachten Pflichtbewußtsein und der Furcht vor den bisherigen Freunden. Skipper hatte bis jetzt als ein Feigling gelebt; es kam ihm hart an, auf einmal als Held zu handeln. Er wußte, was Tom Playfair bevorstand. Mit Aufbietung aller Mittel mußte er die Gefahr von dem Bedrohten abwenden, das sagte ihm sein Gewissen. Und doch konnte er sich nicht entschließen, das einzige Wort zu sprechen, das genügte, um Tom Playfair zu retten. Die Vorwürfe seiner früheren Genossen, das Wort ‚Verräter‘ und ‚Feigling‘ im Munde dieser erklärten Feiglinge dünkte ihm zu hart.
„Vielleicht,“ sprach er zu sich selbst, „wird auch ein glücklicher Zufall ihren Plan vereiteln. Aber wenn das nicht geschähe — der arme Playfair! Und doch — ich mag diejenigen nicht verraten, die meine Freunde gewesen sind. — Kann ich das? Muß ich das? — Nein, es geht nicht! Ich warte bis diesen Abend; sind Playfair und Quip nicht zur rechten Zeit zu Hause, dann ist es ja noch immer früh genug, und ich brauche die Vorwürfe von Prescott und Kenny nicht so zu fürchten.“
Skipper fühlte, daß sein Gewissen mit diesem Entschlusse nicht zufrieden sei. Es war eine schwächliche Halbheit; die Ausführung mußte Prescott und Kenny doch noch gegen ihn aufbringen, während sein ungerechtfertigtes Zaudern zugleich bei den Vorgesetzten nur Mißbilligung zu erwarten hatte. Skipper war eben trotz seiner Umkehr noch ein Feigling, furchtsam und wankelmütig. Hoffen wir, daß sein armseliger Wille nach und nach zu einer größeren Entschlossenheit erstarkt.
12. Kapitel.
Percy entdeckt das Komplott und beschließt zu helfen.
Was trieb Percy an diesem Vormittag?
Still vergnügt saß er im Studiersaale an seinem Pulte. Gestern hatte er wieder stark gespielt und war so steif und lahm geworden, daß er ohne Schmerzgefühl nicht die geringste Bewegung machen konnte. Von allem, was im vorigen Kapitel erzählt ist, hatte er keine Ahnung. Seite um Seite las er ungestört ‚Dion und die Sybillen‘, und erst als die Glocke zum Mittagessen rief, schleppte er sich mühsam in den Speisesaal.
Der Nachmittag war einladend. Der helle Sonnenschein hatte die klare, reine Luft angenehm erwärmt. Daher beschloß Percy, nicht in den Studiersaal zurückzukehren, sondern seine Lesung im Hofe fortzusetzen. Von P. Middleton erbat und erlangte er die Vergünstigung, daß er sich mit Dion und den Sybillen vom eigentlichen Spielplatz in einen einsamen Winkel zurückziehen durfte.