Percy besaß die Fähigkeit, sich in eine Lektüre so zu vertiefen, daß seine Sinne für die Außenwelt gleichsam abgestorben waren. Tom Playfair hatte sich davon oft überzeugt, indem er sich von hinten an den Lesenden heranschlich, ihm die Taschen leerte oder auch mit Steinen füllte, oder indem er ihm die Krawatte in Unordnung brachte, was Percy regelmäßig erst nachher mit großer Überraschung bemerkte.
Auch jetzt war Percy wieder weit vom Lande der Wirklichkeit entfernt. Das Rufen auf dem Spielplatze, das Getöse eines vorbeifahrenden Zuges, das Geschrei der verspäteten Herbstvögel, und was sonst um ihn herum laut werden mochte, fiel nicht mehr in den Bereich seines Bewußtseins. Percy weilte unter einem fremden Himmel bei fremden Menschen. Daß der Lärm auf dem Spielplatze abnahm, weil die Zöglinge nach und nach spazieren gingen, und daß zuletzt ein Trupp, aus weniger Zuverlässigen bestehend, in Begleitung von P. Scott geräuschvoll das Pensionat verließ, störte ihn so wenig, als geschähe es am andern Ende der Welt.
Allein nicht alle Zöglinge waren ausgegangen. Zweien der Zurückgebliebenen müssen wir unsere besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Sie haben sich gleich Percy vom Spielplatze entfernt. Eben jetzt sind sie von ihm kaum drei Schritte entfernt, seinen Augen aber durch einen Mauervorsprung verdeckt. Offenbar wollen sie nicht bemerkt werden und sind des Glaubens, ihr eifriges, sehr erregtes Gespräch, das sie halblaut flüsternd miteinander führten, werde von niemanden vernommen.
In Percy erwachte aber doch ein unbestimmtes Gefühl, er sei nicht mehr allein. Ihm war, wie jemanden, der im Traume ein wirkliches Geräusch hört, das in ihm nur ein dunkles Bewußtsein weckt, während er ganz in den Gebilden des Traumes weiter lebt. Auch hier gelangten die Worte der Sprechenden lange Zeit zu Ohren, welche ihrer Bedeutung nicht achteten. Noch immer hätte Percy mit Wahrheit sagen können, er habe von der ganzen Unterhaltung auch nicht eine Silbe gehört.
Mit einem Schlage kehrte er aus den Tagen Dions in seine eigene Zeit zurück; das Buch wäre beinahe seinen Händen entfallen.
„Sicherlich“ — das waren die Worte, die ihn aus dem Traume aufschreckten — „wenn Playfair eine ganze Nacht in Frost und Nebel daliegen muß, holt er sich eine schwere Krankheit. Sieh’ nur, wie klar der Himmel ist; es wird kalt. Nein, das Ding geht zu weit, es ist ein Verbrechen!“
Percy unterschied Skippers Stimme.
„Es ist zu spät,“ versetzte der andere, den Percy nicht erkannte. „Prescott hat herausgebracht, daß Playfair und Quip diesen Nachmittag einen Ausflug zum Paniflusse vorhatten. Kenny, Prescott und die meisten von den andern, die nicht allein ausgehen dürfen, sind jetzt mit P. Scott fortgegangen. Unterwegs wollen sie den Pater bitten, ein wenig vorangehen zu dürfen. So wollen sie sich von den übrigen ganz trennen, sich bei dem Steinwall, weißt Du, mitten auf der Prärie, verstecken und dort Quip und Playfair auflauern. Nachher wollen sie dann vorgeben, sie hätten sich verirrt und hätten den Hauptzug nicht wieder finden können.“
„O, ich will mit diesen Kerlen nie wieder etwas zu thun haben!“ versicherte Skipper. „Warum habe ich nicht eine kleine Andeutung gemacht, als es noch Zeit war? Aber wenn ich noch einmal in der Lage wäre, ich würde es gewiß abermals unterlassen. O, was für ein Feigling ich bin! — Doch warum soll denn Quip auch daran?“
„Kenny beabsichtigte es nicht, aber Prescott bestand darauf. Quip würde sonst alles gleich verraten. Prescott will auch, daß man ihnen den Mund verstopft. Sie sollen nicht einmal um Hilfe rufen können.“