Mit Aufbietung aller Willenskraft erhob er sich und nahm den Weg wieder unter seine Füße. Freilich schwindelte ihm noch, und sein Herz pochte laut hörbar. Aber er zwang sich voran — weiter, weiter!
Auf einmal entfuhr seinen Lippen ein Laut — es war kein Schrei — der Freude. Die Brücke, die Panibrücke war in Sicht, noch weit weg, aber in Sicht.
„O Gott sei Dank!“ sprach er oder versuchte er zu sprechen, denn die zersprungenen Lippen versagten ihren Dienst.
Abwechselnd gehend und laufend eilte er mit erneuertem Mute der Brücke zu. Je näher sie kam, um so mehr wuchs seine Hoffnung und ersetzte die schwindenden Kräfte. Noch ein Lauf — ein paar hundert Schritte — jetzt ist die Brücke erreicht.
Zitternd, atemlos, den Ausdruck des Schmerzes in dem von Schweißtropfen und Thränen überronnenen Antlitze langte er an; seine Kleider und selbst sein Haar waren mit Staub bedeckt. Da lehnte er, todmüde, aber innerlich frohlockend, an einen Pfosten und ließ sein Auge die Gegend auf und ab durchmustern. Doch von Tom und Harry gewahrte er nichts. Er zog die Pfeife hervor und setzte sie an die Lippen; sie gab einen starken, durchdringenden Ton. Allein auch ihre Stimme blieb ohne Antwort. Kein Laut unterbrach die Einsamkeit der Prärie; keine Bewegung gewahrte er, als das träge, schleichende Wasser des Flusses.
Er wollte weiter gehen. Aber wohin? Den Fluß hinauf oder hinab? Noch nie hatte ihn ein Spaziergang an diesen Fleck der Prärie geführt. Er wußte auch nicht, welche Plätze für Tom und Harry eine besondere Anziehungskraft besaßen, so daß er sie dort hätte aufsuchen können.
Da fiel ihm ein, daß die beiden Freunde ja vom Flusse aus über die Prärie heimgehen wollten, und daß dieser Weg bei weitem der kürzere sei. Das konnte aber nur der Fall sein, wenn sie sich weiter stromaufwärts befanden. Ohne Zögern machte er sich also wieder auf.
In einer Entfernung von ungefähr tausend Schritten sah er eine leichte Erhöhung, von deren Scheitel er sich einen Rundblick über die Ebene und namentlich über das Flußufer versprach. Dorthin schleppte er sich also mit Einsetzung aller Kräfte, welche Liebe und Hoffnung in den erschöpften Gliedern noch rege machen konnten. Auf halbem Wege sah er sich gezwungen, einen Augenblick zu rasten; es kam ihm vor, als drehe sich um ihn herum alles im Kreise. Er war nahe daran, abermals hinzusinken.
„Herz Jesu, gieb mir Kraft!“
Wieder konnte er sich voranschleppen. Noch ein paar Minuten voll Schmerz und Anstrengung, und er stand oben.