„Mein Freund,“ gab der Spaltnasige zur Antwort, „was ich suche? ich suche meinen Gott. Solange du mein Gott warst auf der Erde, fühlte ich mich befriedigt. Aber in diesem Paradies, wo ich verloren bin, weil ich deine Gegenwart entbehre, du göttlicher Bruder der Tiere, erstickt meine Seele, denn hier finde ich ihn nicht.“ „Meintest du denn,“ versetzte darauf Franziskus, „daß Gott die Hasen verläßt und daß sie allein in der Welt kein Recht auf das Paradies haben?“

„Dieses nicht,“ erwiderte ihm der Graustrumpf. „Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Dir wäre

ich nachgegangen, denn ich habe gelernt, mich in dir so gut auszukennen wie in der irdischen Hecke mit ihren Flocken warmen Lämmerschnees, der mein Nest wohnlich macht. Vergeblich habe ich über diese Himmelswiesen hin den Gott gesucht, von dem du da redest. Doch während ihn meine Freunde sogleich entdeckten und ihr Paradies fanden, irre ich umher. Von dem Tage an, da wir von dir schieden, und in der Stunde schon meines Eingangs in den Himmel schlug mein kindisch wildes Herz in Heimweh nach der Erde.

O Franz, mein Freund, du einziger, an den ich glaube, gib mir meine Erde wieder. Ich fühle, daß ich hier nicht zu Hause bin. Gib mir meine Furchen wieder voll Kot, meine lehmigen Pfade. Das heimische Tal

gib mir zurück, wo die Jagdhörner den Nebel aufrühren; die Wagenspur, von wo aus ich mein Abendläuten hörte, die Meute mit den hängenden Ohren. Gib mir meine Angst wieder. Gib mir meinen Schrecken wieder. Gib mir wieder die Erregung, die mich ergriff, wenn plötzlich ein Schuß unter meinem Sprunge die duftenden Minzen hinwegfegte oder wenn im Strauch unter den Quittenbäumen mein Mund an das Kupfer der kalten Schlinge stieß. Gib mir die Wiese wieder, wo du mich entdeckt hast. Gib mir wieder die morgenroten Wasser, aus denen der gewandte Fischer seine Netze schwer von Aalen herauszieht. Gib mir die blaue Nachlese im Monde zurück und mein furchtsames heimliches Liebesspiel in den wilden Ampfern, wenn

ich nicht mehr unterscheiden konnte zwischen einem Blumenblatt, das mit Tau überlastet ins Gras glitt, und der rosigen Zunge meiner Freundin. Gib mir, o du mein Herz, gib mir meine Schwäche zurück. Und sage dem lieben Gott, daß ich nicht länger bei ihm leben kann.“

„O Graustrumpf,“ erwiderte ihm darauf Franziskus, „mein Freund, sanfter mißtrauischer Bauer, kleingläubiger Hase, der du lästerst; du konntest deinen Gott nicht finden? so wisse, um diesem Gott zu begegnen, hättest du sterben müssen wie deine Genossen.“

„Aber wenn ich sterbe, was soll aus mir werden?“ schrie der Strohpelz.

Und Franziskus sagte:

„Wenn du stirbst, wird aus dir dein Paradies.“