Die von ihnen erweichte Erde schluchzte auf wie eine vom Südwind gepeinigte Frau, und dort, wo der Boden am rissigsten war und am trockensten, ließ sich das fortwährende Geräusch des Aufsaugens vernehmen, die Inbrunst brennender, dem vollen Ungewitter hingegebener Lippen.
Die Nacht nach dem Gewitter war klar. Der Regen war fast aufgesogen. Auf dem Rasen, wo Langohr sonst seine Freundin begegnete, schwebte das Wasser nur noch in dichten Nebelballen. Es sah aus wie unirdische Baumwollstauden, die ihre Hülsen in der Flut des Mondlichts gesprengt hatten. Längs den Böschungen standen die regenschweren Büsche reihenweise wie Pilger, vornübergebeugt unter der Last ihrer Säcke und Schläuche. Ringsum Friede. In eine Hand legte sich die Stirn des Engels. Das Morgengrauen harrte frostdurchschauert auf die rosenfingerige Schwester, und das niedergesunkene Gras betete zum Morgen auf.
Da plötzlich sah Langohr auf seiner Wiese einen Mann nahen, und er
erschrak gar nicht. Ein erstes Mal seit Urzeiten, seitdem der Mensch Fallen stellt und Bogen spannt, erlosch der Trieb zur Flucht in der Seele des Leichtfüßigen.
Der Mann, der herankam, war angetan wie ein Baumstamm im Winter, wie mit wolligem Moos bekleidet. Er hatte eine Kapuze auf dem Kopf und Sandalen an den Füßen. Er trug keinen Stock. Seine Hände lagen verschränkt in den Ärmeln seines Mantels, ein Strick diente ihm als Gürtel. Sein bleiches, knochiges Gesicht hielt er dem Mond entgegen, und der Mond war minder blaß. Deutlich sah man die Adlernase, die Augen, tief wie die der Esel, und den schwarzen Bart, worin die Büsche Flocken von Schäfchenwolle hinterlassen hatten.
Zwei Tauben begleiteten ihn. Sie glitten von Ast zu Ast, hinein in die mildtätige Nacht. Das verliebte Haschen ihrer Flügel war wie der Kelch einer entblätterten Blume: als wollte er sich wieder vereinigen und sich von neuem zur Krone entfalten.
Drei ärmliche Hunde mit Stachelhalsbändern trabten ihm schweifwedelnd voran, und ein alter Wolf beleckte ihm den Kleidsaum. Ein Schaf und sein Junges drangen zwischen Krokus vor und stampften blökend, unsicher und entzückt, auf smaragdgrünen Traubenhyazinthen, indes drei Sperber mit den beiden Tauben zu spielen begannen. Ein schüchterner Nachtvogel pfiff jubelnd inmitten der Eicheln, dann schwang er sich auf und holte den Sperber ein und die Tauben, das Lamm und das
Schaf, die Hunde, den Wolf und den Mann.
Und der Mann trat heran zu dem Hasen und sprach zu ihm:
„Ich bin Franziskus. Ich liebe dich, und ich grüße dich, Bruder. Ich grüße dich im Namen des Himmels, der die Wasser spiegelt und die glitzernden Steine, im Namen des Sauerampfers, der Rinden und der Körner, womit du deinen Hunger stillst. Komm und folge diesen Unschuldigen, die mich begleiten und sich an meine Schritte hängen, so gläubig wie der Efeu, der den Baum umklammert und nicht daran denkt, daß sich, vielleicht bald schon, der Holzfäller zeigen wird. O Hase, ich bringe dir den Glauben, wie wir ihn der eine in den andern setzen, den Glauben, der das Leben selbst ist, alles das, was wir doch nicht wissen,