Selbst wenn das Jagdhorn erklang, blieb Langohr jetzt unerschrocken und bei seinen Gesellen. Sie schützten ihn und er sie. Eines Tages wagte sich eine Meute heran und entfloh beim Anblick des Wolfes, ein anderesmal wieder schlich eine Katze den Tauben nach, entwich aber vor den Hunden mit dem Stachelhalsband, und ein Wiesel auf der Lauer nach dem Lämmchen versteckte sich vor
den Raubvögeln. Langohr schreckte Schwalben ab, die auf die Eule losstürmten.
Langohrs bester Freund war einer der drei Hunde mit den Stacheln, eine Jagdhündin, gutmütig, kleinen und gedrungenen Baus, mit gestutztem Schwanz, hängenden Ohren und gebogenen Beinen. Sie war artig und umgänglich. Ihre Wiege war ein Schweinekoben gewesen, bei einem Schuster, der des Sonntags jagte. Nun war der Schuster tot, und niemand nahm sie auf. So jagte sie in den Feldern, wo sie zuletzt an Franz kam.
Langohr hielt sich immer an ihrer Seite, und wenn sie schlafen wollte, legte sie ihre Schnauze auf ihn, worauf auch er einschlummerte. Denn alle pflegten der Mittagsruhe, und Träume erfüllten ihren Schlaf in dem stumpfen Feuer der Sonne.
Franz schaute dann wieder das Paradies, das er hinter sich gelassen hatte.
Ihm war, als beträte er durch das große Tor die himmlische Hauptstraße mit ihren Häusern der Auserkornen. Es waren niedrige Holzbuden, jede gleich der andern, in einem Schatten, der, hell erstrahlend, zu Tränen der Freude rührte. Aus dem Innern hervor leuchteten da ein Hobel, dort ein Hammer oder eine Feile. Hier auch war kein Ende der erhebenden Müh. Denn wenn Gott die Menschen bei ihrer Ankunft in den Himmel fragte, womit er ihre irdischen Werke belohnen solle, wollten sie immer das behalten, was ihnen zum Paradiese mit verholfen hatte. Und da war auf einmal eines jeden schlichtes Wirken irgendwie wunderbar geworden. Handwerker traten auf ihre Schwellen, und die Tische waren hinausgetragen für die Abendmahlzeit. Man hörte den
Frohsinn der himmlischen Brunnen. Und auf den offnen Plätzen entfalteten sich die Engel wie Segelboote und neigten sich in der Seligkeit der andämmernden Nacht.
Die Tiere aber sahn in ihren Träumen die Erde und das Paradies nicht so, wie wir beides kennen und sehn. Sie träumten von unzusammenhängenden Ebnen, worin ihre Sinne irre wurden. Nebel fiel in sie. In Langohr wurde das Hundegebell ganz eins mit der Sonnenhitze, mit jähem Knallen, mit einem Schwitzen der Läufe, mit dem Taumel der Flucht, dem Schrecken, Lehmgeruch, hellem Wasser, hin- und herschwankenden Mohren, knisterndem Mais, Mondschein und freudiger Aufregung beim Anblick des Weibchens, wie es mitten im Duft der Waldmeister erschien.
Sie alle erblickten hinter den geschlossnen Lidern die bewegten Abbilder ihrer Lebensläufe. Nur die Tauben schützten vor der Sonne ihre lebhaften unruhigen Köpfchen: sie erschauten im Schatten ihrer Flügel ihr Paradies.