Als der Winter kam, sagte Franziskus zu seinen Freunden:
„Segen über euch, denn ihr seid Gottes. Doch bin ich in Unruhe, denn der Schrei der ziehenden Gänse verkündet eine Hungersnot, und daß es nicht in den Absichten des Himmels liegt, euch die Erde zum Wohltäter zu machen. Gelobt seien die verborgenen Ratschlüsse des Herrn.“
Das Land um sie war wirklich verödet. Aus seinen straffen Schläuchen voll Schnee träufelte der Himmel ein fahles Licht. Alle Früchte in den Hecken waren abgestorben und alle in den Gärten. Und die Körner hatten ihre Schoten verlassen, um in den Schoß der Erde einzugehn.
. . . „Gelobt seien die verborgenen Ratschlüsse des Herrn,“ sagte Franziskus. „Vielleicht will er, ihr sollet
mich verlassen und ein jeglicher seines Weges ziehn, auf der Suche nach Nahrung. Trennet euch also von mir, der ich nicht allen zugleich folgen kann, wenn euch der Trieb jeden wo andershin führt. Denn ihr seid im Leben und bedürfet der Speise, ich jedoch bin auferstanden und bin hier durch die Gnade, den leiblichen Bedürfnissen enthoben, und Gott ließ mich erscheinen, damit ihr von mir geleitet wäret bis an diesen Tag. Aber ich weiß nicht mehr, was tun, und kann nicht länger mehr für euch sorgen. Wollt ihr mich also verlassen, so sei einem jeden von euch die Zunge gelöst, und er sag es offen.“
Der erste, der sprach, war der Wolf.
Er hob seine Schnauze gegen Franziskus. In seinem zerzausten Schweif fegte der Wind. Er hustete. Lang war das Kleid seines Elends. Sein kläglicher Pelz gab ihm das Aussehn eines entthronten Königs. Er zögerte und blickte im Kreise um sich, von Freund zu Freund. Endlich kam seine Stimme aus dem Schlund, der rauhe Laut des Winterschnees. Und wie er seine Lefzen öffnete, sah man seine ganze frühere Entbehrung an der Länge seiner Zähne. So wild war sein Ausdruck, daß man nicht wußte, ob er seinen Herrn beißen oder ihn liebkosen wolle.
Er sagte:
„O Honig ohne Stacheln! O Armer! O Sohn Gottes! Wie könnte ich dich verlassen? Mein Leben war elend, und
du hast es mit Freude erfüllt. In den Nächten, wie mußte ich da den Atem der Hunde, der Hirten und der Feuerbrände belauschen, um dann im richtigen Augenblick meine Krallen in die Kehle der schlafenden Lämmer zu versenken. Du lehrtest mich, o Seliger, die Milde der Obstgärten kennen. Ja eben noch, da sich mir der Bauch in der Lust nach Fleischesspeise höhlte, ernährte mich deine Liebe zu mir. Wie so oft war mir doch mein Hunger willkommen, wenn ich meinen Kopf auf deinen Schuh legte, denn diesen Hunger, ich ertrage ihn, um dir zu folgen, und aus Liebe zu dir will ich gerne sterben.“