Und die Tauben gurrten.

Sie beendeten ihren frierenden Doppelflug in den Zweigen eines vertrockneten Baumes. Sie konnten sich nicht zum Sprechen entschließen. Jeden Augenblick, so schien es, wollten sie zustimmen, dann wieder, in Schrecken, erfüllten sie von neuem mit ihren weißen aufschluchzenden Zärtlichkeiten den Wald, der dieser Anmut lauschte. Sie zuckten wie junge Mädchen, die ihre Tränen und ihre Arme vereinen. Sie sprachen beide zu gleicher Zeit, als hätten sie nur eine einzige, gemeinsame Stimme:

„O Franz, milder als der Schimmer des Leuchtkäfers im Moose, lieblicher als der Bach, der uns sein Lied singt, wenn wir unser laues Nest in den würzigen Schatten der jungen Pappeln hängen. Was kümmert uns, daß Reif

und Not uns aus deiner Nähe verbannen und uns vertreiben wollen, hinweg zu fruchtbaren Strichen? Um deinetwillen werden wir die Not lieben und Frost und Reif. Und deiner Liebe willen wollen wir auf unsre Neigungen verzichten. Und müssen wir vor Kälte sterben, so wird es Herz an Herz geschehn, o Herr.“

Und einer der Hunde mit dem Stachelhalsband trat hervor. Es war die Jagdhündin, die Freundin des Hasen. Wie der Wolf, hatte auch sie schon hart unter dem Hunger gelitten und klapperte mit den Zähnen. Ihre Ohren runzelten sich, auch wenn sie sie hob; ihr Schwanz, zerfahren wie eine Baumwollspindel, hielt sich unbewegt wagrecht. Die rotgelben Augen richteten sich auf Franziskus mit der Glut des unbedingten Glaubens. Und ihre beiden Genossen, die sich anschickten, vertrauensvoll zuzuhören, senkten gutmütig und unwissend den Kopf. Und sie, die Hirtenhunde, die niemals was anderes gehört hatten als das Greinen der Schellen, das Blöken der Herden und den Geißelschlag des Blitzes auf den Gipfeln, sie warteten ab, glücklich

und stolz darüber, daß die kleine Jagdhündin bekannte.

Da versuchte diese einen Schritt, aber kein Laut kam aus ihrer Kehle. Sie leckte die Hand des Heiligen, dann legte sie sich ihm zu Füßen.

Und das Schaf blökte.

Sein Blöken war so traurig, als hauchte es seine Seele dem Tod entgegen, schon bei dem bloßen Gedanken an eine Trennung von Franz. Als es nun schwieg, hörte man auf einmal sein von einer befremdlichen Schwermut ergriffenes Lämmchen weinen wie ein Kind. Und das Schaf sprach:

„Nicht die Munterkeit der Matten, die der Morgen mit seinem Brodem dämpft, nicht in den Bergen das Süßholz, das der Nebel mit seinem Silberseim beperlt, noch die Streu in der verräucherten Hütte, sie alle sind nicht zu vergleichen mit den Almen deines Herzens. Lieber als dich zu verlassen, ist uns das blutige und ekle Schlachthaus, das Schwanken auf dem Karren, der uns dorthin bringt, blökend und die Füße gebunden und