„Setzen Sie sich,“ sagte er. „Ich bin, wie mein Schüler, ermattet von der Behandlung, der die Söhne Scheitans uns unterworfen haben. Nach dem, was mir Oberst Morrel Sahib sogleich, als ich hier wieder zum Leben erwachte, anvertraute, habe ich für immer meinen guten Namen und meinen Ruf verwirkt. Mit Recht sagt der göttliche Zeltmacher von sich selbst:
Gurt, Kleid und Seele, alles, was mir teuer,
Gab ich als Pfand dem Schenken-Ungeheuer.
Nun denn, so bin ich frei von Furcht und Hoffen
Und los von Erde, Wasser, Luft und Feuer.
Dasselbe sagte Oberst Morrel Sahib von mir, nur nicht in so melodischer Sprache wie der göttliche Omar. Ich weiß kaum, was ich erlebt habe, junger Freund, und noch weniger, was mein Schüler erlebt hat. Von dem Augenblicke, wo ich ihn mit mildem, freundlichem Lächeln um die Lippen auf einem Diwan im Hause der Freuden ausgestreckt sah, habe ich ihn nicht wieder gesehen, bis ich heute die bleischweren Augenlider in diesem Zimmer aufschlug. Da war ich von weißgekleideten jungen Frauen umgeben, die mich rieben, so wie der Wucherer sein Gold reibt und beinahe noch eifriger. Außerdem befanden sich im Zimmer ein weißgekleideter Hakim (Arzt) und mein Schüler sowie Oberst Morrel Sahib, der mir sofort sagte, ich sollte geköpft und vor den Stadtmauern Nasirabads aufgehängt werden, als milde Strafe für meine Untaten, für die es in der Sprache der Sahibs gar keinen Ausdruck gibt.“
„Wo ist Oberst Morrel jetzt?“ warf Allan ein. Er konnte sich die Suada des Obersten vorstellen.
„Oberst Morrel Sahib ist ausgegangen, um mit dem Minister für Indien über wichtige Angelegenheiten zu sprechen, die er uns andeutete. Mein Schüler und ich, die wir unseren guten Namen und unseren guten Ruf in dieser Stadt verloren haben, die noch nie von ähnlichen Dingen gehört hat, sollen so still und verschwiegen als möglich wieder heimgebracht werden. Das will Oberst Morrel Sahib als eine Gnade vom Minister zu erwirken trachten, der beabsichtigt hat, uns ohne Turbans und mit geschorenen Köpfen fortzujagen.“
„Aber erinnern Sie sich an nichts aus dem Feuerfresser-Klub bis heute?“ rief Allan. „Das ist ja drei Tage her!“
„Junger Freund,“ sagte der alte Hofdichter, „ich bin ein rechtgläubiger Anhänger des Propheten und habe stets getrachtet, mich unbefleckt von den Irrlehren zu erhalten, die an Nirwana und ähnliche Einfälle einer irregeleiteten Phantasie glauben. Aber wenn ich an den Zeitraum zurückdenke, den Sie eben erwähnt haben, fühle ich eine bedauerliche Neigung zu glauben, daß die Reden dieser Irrlehrer doch etwas für sich haben, so vollständig erloschen war mein Bewußtsein in dieser Zeit, von der Sie sagen, daß sie drei Tage währte. Und mein Schüler, den ich nach seinen Erfahrungen befragt habe, sagt für seine Person das gleiche aus.“