„Es ist leider kein Gerede, Herr Oberst,“ sagte Allan und berichtete in wenigen Worten, was er im Expreß erlebt hatte.

„Ich fiel Herrn Mirzls List zum Opfer. Aber was Herr van Schleeten nicht unerwähnt lassen sollte, ist, daß er bei dieser Gelegenheit die Bekanntschaft der Dame von gestern Abend machte. Ich war selbst Zeuge davon. Und daß diese Bekanntschaft in ihrem Plane lag, von Mirzl gar nicht zu sprechen, ist wohl recht sicher. In der einen oder anderen Weise haben sie Wind bekommen, welchen Auftrag Herr van Schleeten in London hatte, und waren entschlossen, alle Möglichkeiten wahrzunehmen. Herr van Schleeten ging in die Falle, begreiflicherweise, denn die betreffende Dame spielt ihre Karten geschickt aus und ist ungewöhnlich schön.“

„Hat sie blaue Augen,“ fragte der Maharadscha „und blondes Haar? Ah, daß ich sobald nach Indien zurückreisen muß!“ (Oberst Morrel fuhr von seinem Sessel in die Höhe und starrte ihn an.) „Nein, Oberst Morrel Sahib, ich reise, beglückt über die Gnade Sr. Exzellenz des Ministers. Aber ...“

„Und was sagen Ew. Hoheit zu der Affäre mit Herrn van Schleeten?“ sagte der Oberst wieder beruhigt. „Hoheit wissen, daß man gestern abend eine Anzahl Juwelen gestohlen hat.“

„Ach, ein paar Juwelen mehr oder weniger!“ sagte Yussuf Khan mit einem müden, mißmutigen Kopfschütteln. „Ich kam nach Europa, um mein Herz an eine weiße Frau zu verlieren, wie die Sahibs es tun, und alles, was ich verloren habe, ist mein guter Name und ein paar Juwelen.“

„Mein Schüler spricht schön,“ sagte der alte Ali befriedigt. „Der Aufenthalt in dieser Stadt hat ihm in dieser Beziehung merklich gut getan.“

„Nun, und Herr van Schleeten?“ beharrte der Oberst, der den Holländer ungerne dem Schandpfahl entgehen sah.

„Ich sage ja,“ sagte Yussuf Khan, „daß ich diesen Juwelenkünstler beneide, dem es gelungen ist, sein Herz an eine Frau zu verlieren. Ich habe hundertfünfzig Frauen in meinem Palast, schön wie Gazellen und zärtlich wie Turteltauben im Lenzmonat, und noch hat keine von ihnen mich für mehr als eine Stunde bezaubert. Seinen Namen und seinen Ruf für eine Frau zu wagen wie dieser Mann — das muß wunderbar sein. Der Juwelenkünstler hat meine Vergebung und meinen Neid.“

„Wahrlich,“ sagte der alte Ali, „mein Schüler spricht immer besser und besser! Die Lehren, die ich ihm eingepflanzt habe, tragen späte, aber schöne Früchte. Es muß der Aufenthalt in dieser Stadt sein, der sie zur Reife gebracht hat.“

Herr van Schleeten, dessen bordeauxfarbene Nase sich bei Yussuf Khans Rede, die er als Hohn auffaßte, zornig gerümpft hatte, richtete sich nach seinen letzten Worten erleichtert auf. Er begann etwas zu stammeln, aber Yussuf Khan schnitt seine Danksagungen ab, indem er zum Obersten sagte: