Der Festsaal des Hotels hatte, um nach Yussuf Khans Wünschen angeordnet zu werden, die Voraussetzung gehabt, daß er in einer Art Tempelstil erbaut war, mit sehr breiten Säulen an den Seiten, die eine nicht besonders hohe Decke trugen. Jetzt waren sowohl Decke wie Wände und Boden von ungeheuren schweren Teppichen in phantastischen teheranischen Mustern verdeckt, zwischen denen die grünblauen breiten Marmorsäulen, wenigstens für Allans Phantasie, asiatisch wirkten. Von der Decke sanken die Draperien in einer weichen Kurve herab, in der Mitte des Saales von zehn langen Lanzen gerafft; unter dem so gebildeten Baldachin war die niedrige Festtafel gedeckt. Davor befanden sich an der Stelle von Sesseln förmliche Berge von Kissen. Neben jedem Platz stand ein niedriges Metallgestell, das eine Spülschale aus grünem Porphyr trug. Die Beleuchtung war ein Kompromiß zwischen Europa und der Religion des Propheten: Elektrische Lampen, die zusammen einen gewaltigen Halbmond bildeten, glitzerten an der draperieverhüllten Decke von der einen Längsseite bis zur anderen. In einem entsprechenden Halbkreis stand die schwarze Leibwache, die Krummsäbel im Gürtel rings um den Platz, wo der Maharadscha sitzen sollte und wo die Kissen etwas höher aufgetürmt waren, als auf den anderen Plätzen. Zuletzt erblickte Allan mit einem leichten Schauer in einer Ecke einige halbnackte Tänzerinnen mit goldenen Ringen um Arme und Fußknöchel. Sie hatten breite, groteske Saiteninstrumente und blinkende Tamburine. Was würde Mrs. Bowlby dazu sagen? Er wandte die Aufmerksamkeit von den Tänzerinnen gerade rechtzeitig ab, um zu hören, wie diese Dame zu Yussuf Khan sagte:
„Ich muß gestehen, daß ich schwankte, bevor ich Ihre ... Ew. Hoheit (es fiel ihr merklich schwer, den Titel hervorzubringen) Einladung annahm.“
„Und warum?“ sagte Yussuf Khan. „Hat der junge Sahib, der meine Juwelen gerettet hat, meine Einladung so lau oder schlecht vorgebracht?“
„Nein,“ sagte Mrs. Bowlby, „aber ich befürchtete, daß, wenn das Fest so werden sollte, wie die Feste in Ihrem ... in Ew. Hoheit Heimat zu sein pflegen, ich ... hm ... Dinge zu sehen bekommen würde, die eine anständige Frau nicht zu sehen gewohnt ist.“
„Das ist richtig,“ sagte Yussuf Khan, „in meinem Lande kommen ehrbare Frauen nicht zu den Festen der Männer.“
Mrs. Bowlby zuckte bei dieser orientalischen Aufrichtigkeit zusammen. Im Nu vergaß sie Zeremonien und Titel über Dinge, die ihr schon lange am Herzen lagen.
„Und in meinem Lande“, rief sie, „hat kein anständiger Mann hundertfünfzig Frauen auf einmal!“
Yussuf Khan überlegte einen Augenblick.
„Aber habe ich nicht gehört,“ sagte er ernst, „daß eine Frau hundertfünfzig Männer hintereinander haben kann, wenn sie es darauf anlegt?“
Mrs. Bowlby starrte ihn an.