München 1919 bei Georg Müller

1. bis 10. Tausend

Copyright 1919 by Georg Müller in München

Inhalt

Erstes Kapitel

Lyrischer Prolog

[7]

Zweites Kapitel

Vorsicht bei Eisenbahnfahrten

[21]

Drittes Kapitel

Das große Hotel

[57]

Viertes Kapitel

Yussuf Khan, Maharadscha von Nasirabad

[82]

Fünftes Kapitel

Das große Hotel (Fortsetzung)

[92]

Sechstes Kapitel

Das Loch in der Wand und das Loch im Boden

[108]

Siebentes Kapitel

Ein Verschwinden mit Nebenumständen

[143]

Achtes Kapitel

Mynheer van Schleetens Erlebnisse

[162]

Neuntes Kapitel

Yussuf Khans Wiederkehr

[187]

Zehntes Kapitel

Die Nachwirkung einer tollen Nacht auf Fürsten und Poeten

[211]

Elftes Kapitel

das seinen Zweck erfüllt, den Leser zu verwirren

[239]

Zwölftes Kapitel

Ein Fest und sein Abschluß

[256]

Dreizehntes Kapitel

Yussuf Khans Heirat

[269]

Vierzehntes Kapitel

Einfach, Nasirabad

[286]

I
Lyrischer Prolog

Held eines Romans, Held einer Folge von Abenteuern — klingt das nicht wie törichter Nonsens? Wer glaubt an Romane im wirklichen Leben, wer glaubt daran, daß es noch Abenteuer gibt? Die Abenteuer, sagte man im achtzehnten Jahrhundert, sind vor zweihundert Jahren ausgestorben. Zur Zeit der Renaissance, da gab es Abenteuer!

Sie sprechen heute von Abenteuern, wiederholt man im neunzehnten Jahrhundert, ha ha! Sie entschuldigen schon ... Die Abenteuer sind mit Napoleon ausgestorben, dem leibhaftigen Abenteuer in Fleisch und Blut. Zu Napoleons Zeit gab es Abenteuer. Aber jetzt! Nein wirklich, Sie müssen schon entschuldigen.

Herrn Allan Kraghs Zeit fiel in das zwanzigste Jahrhundert, das heißt jener Teil seines Lebens, den er wirklich so nennen konnte. Er war nämlich 1885 geboren; und wenn auch die ersten fünfzehn Jahre unseres Lebens später fast immer mit einem Seufzer zu den glücklichsten gerechnet werden, ist es zweifelhaft, ob sie während ihres Verlaufes auch in dieser Weise aufgefaßt werden. Höchst zweifelhaft. Ja, warum sollte man Haeckels berühmte These vom Leben des Individuums als Resumé des Lebens der Gattung nicht darauf anwenden können? Genau wie es für die meisten Menschen ein Glaubensartikel ist, daß alles Romantische sich zur Zeit Roms, zur Zeit der Renaissance, zur Zeit der Revolution zugetragen hat und auf jeden Falls jetzt, seit der eigene kleine Privatlebensbetrieb des Betreffenden begonnen hat, so ferne und tot ist, wie ein geologisches Zeitalter — genau in derselben Weise denkt man mit dreißig Jahren an die Zwanzig zurück (da war es noch eine Freude zu leben), mit Fünfzig an die Dreißig, und überhaupt die ganze Zeit, seit man lange Hosen oder Röcke zu tragen bekommen hat, an die unaussprechlich fröhliche, spannende, romantische Kindheit, die jetzt tot und begraben ist, und nie zu einem armen Teufel wiederkehrt, der in einem grauen, uninteressanten Alltagsleben verkümmern muß.