Er wußte, daß dieser Abschiedspfeil sie in das Tiefste ihrer anglosächsischen Seele treffen mußte, aber trotzdem empfand er seine Sortie aus dem Bureau nicht als eine Sortie d’éclat. Er kreuzte die Halle so rasch, als es seine Würde zuließ. — Was er hauptsächlich befürchtete, war, daß sie ihn zurückrufen und bitten würde, das Interview mit dem Portier fortzusetzen; er fühlte sich dieser Aufgabe jetzt nicht gewachsen. Und plötzlich fand er sich im Konversationssalon des Hotels, in den seine Beine ihn, ohne daß er es selbst wußte, getragen hatten, und hörte ein damn and confound, das mit ungeheurer Energie in seiner unmittelbaren Nähe ausgestoßen wurde. Erst im nächsten Augenblick dämmerte es ihm auf, daß ihm selbst diese Worte entschlüpft waren; und noch ganz erstaunt über seine rasche Akklimatisierung hörte er eine schrille Stimme, die sagte:
„Hallo, junger Mann! Solche Worte pflegt man nicht in Damengesellschaft zu sagen.“
Allan drehte sich um. Trotz der wenig menschenfreundlichen Laune, in der er sich für den Augenblick befand, mußte er lächeln. Auf einem der roten Lederstühle saß eine alte Dame mit dem New York Herald in der Hand — sie wäre von der Zeitung verdeckt gewesen, wenn sie sie nicht gesenkt und Allan über den Rand angeguckt hätte. Ihr Gesicht glich auf das I-Tüpfelchen einem alten, schlauen Papagei. Sie hatte graues Haar, das von den Ohren abstand, zwei scharfe kohlschwarze Augen und eine Nase, die den Rest des Gesichtes ebenso gründlich ausfüllte, wie die Sankt Paulskathedrale den offenen Platz, an dem sie liegt. So wie die Kathedrale kam sie architektonisch nicht zu ihrem vollen Recht, aus Mangel an Perspektive ... Man sah jedoch einen breiten Mund mit schmalen und offenbar sehr scharfen Lippen, und ein Kinn, das napoleonisch zu wirken versuchte. Die kohlschwarzen Augen fixierten Allan schräg, ganz wie die eines Papageis. Allan verbeugte sich ehrfurchtsvoll:
„Ich bitte Sie tausendmal um Entschuldigung, Madame! Ich dachte wirklich nicht daran, was ich sagte, und ich wußte kaum, wo ich mich befand.“
„Warum haben Sie geflucht?“ sagte die alte Dame. Sie betonte das Wort geflucht so, daß es klang, wie gemordet oder falsches Zeugnis abgelegt.
Allan wandelte die barocke Lust an, ihr alles zu erzählen.
„Ich will versuchen, es Ihnen zu erklären,“ begann er. „Sind Sie Amerikanerin, wenn ich fragen darf?“
„Ja. Haben Sie deshalb geflucht?“
„Nicht weil Sie Amerikanerin sind. Gott bewahre mich. Aber aufrichtig gesagt, war es eine Ihrer Landsmänninnen, die mich zum Fluchen brachte.“
„Ein Gentleman flucht nie über eine Dame oder in Damengesellschaft.“