Die Draperien links begannen zu wogen, sie wallten auf und nieder wie ein Wasserspiegel bei einem Unterseebootangriff und teilten sich endlich. Jemand tauchte aus ihnen empor, wie Neptun aus den Fluten, taumelte ein paar Schritte in die Loge, wo Allan und sein Begleiter saßen, und blieb endlich auf ein paar nicht allzu festen Beinen mit dem Rücken gegen sie stehen, während er mit der einen Hand die Draperien festhielt, durch die er aufgetaucht war. Zu seinem Staunen merkte Allan, daß gar keine Wand zwischen den Logen war; die Draperien waren das einzige, was sie trennte. Offenbar waren sie schwer genug, um alle Laute zu dämpfen, wenn man sie ruhig hängen ließ, denn während er bisher keinen Ton aus der Nebenloge vernommen hatte, drang jetzt ein Stimmengewirr heraus. Aber was war denn das für ein ungebetener Gast? wollte er eben seinem Begleiter zurufen, als der Mann, der hereingetaumelt war, ihnen plötzlich das Gesicht zukehrte. Allans Ausruf sank zu einem Flüstern herab:
„Yussuf Khan! Der Maharadscha!“
Es war wirklich und unzweifelhaft der Maharadscha von Nasirabad, und ebenso zweifellos war es, daß dieser mohammedanische Herrscher an diesem Abend das Gebot des Propheten gröblich übertreten hatte: er war sichtlich das, was man in höflicher Sprache angeheitert nennt und wofür man in weniger höflicher Sprache eine Unzahl anderer Bezeichnungen hat. Es war jedenfalls offenbar, daß sein Schwips von der guten sanguinischen Sorte war. Jetzt wandte er sich mit einer vorsichtigen Kreisbewegung Allan und seinem Begleiter zu, machte ein feierliches Salaam und sagte mit Würde, wenn auch ein bißchen undeutlich:
„Edelgeborene Sahibs, ein armer Sohn eines toten Paria bittet euch um Entschuldigung ob dieses Eindringens in euer königliches Z—z—ze—l—“
Er kam nicht weiter. Die Anstrengung war zu groß gewesen. Er fiel sanft auf einen der Diwane und schloß seine Rede in sitzender Stellung ab:
„... Ze—zelt. Ich, Yussuf, der Sohn von tausend unwürdigen Vorvätern, bitte euch um Entschuldigung.“
Allans Begleiter hatte sich hastig erhoben und eine Champagnerflasche aus einem der silberfüßigen Kühler genommen.
„Yussuf, Sohn himmelgeborener Eltern, geruhe mit dem verächtlichsten der weißen Männer zu trinken.“
Er schenkte ein Glas ein, das der Maharadscha mit einem wohlwollenden, aber abwesenden Lächeln automatisch ergriff und austrank. Er blieb mit dem Glas in der Hand sitzen, als die purpurroten, gelbgeflammten Draperien zum zweitenmal zu wogen begannen, diesmal jedoch planmäßiger als früher, worauf ein graubärtiger Kopf im Turban (der Maharadscha hatte seinen verloren) sich in einer Spalte zeigte, so allmählich folgte sein Besitzer nach, der sich als der alte Hofdichter Ali entpuppte.
Er rief dem Maharadscha etwas zu, der nur mit einem Winken des Champagnerglases und einem herzlichen Lachen antwortete, worauf er sich wohlbehaglich seiner ganzen Länge nach auf dem Diwan ausstreckte. Der alte Hofdichter, der selbst in aufgeräumter Stimmung zu sein schien, zog die Draperie zurück und rief in die andere Loge hinein: