Nichts davon bekommt man im eigentlichen Mazedonien zu sehen. Die typische Mittelmeerflora mit ihren malerischen Bäumen, mit der Pflanzenwelt der Macchien ist auf dem Balkan nur in Meeresnähe vertreten, also in Dalmatien, in Griechenland und an der thrakischen Küste. Die mazedonische Landschaft sieht ganz anders aus; ihr fehlen jene, ebenso wie Ölbäume, Erdbeersträucher und alle anderen Pflanzen, welche der italienischen Landschaft ihren besonderen Reiz verleihen. Wo die Bodenfeuchtigkeit genügt, werden sie durch Pappeln, Ulmen, Eichen ersetzt, Weiden und Erlen, Ahorn, Hainbuchen erinnern mehr an deutsche Gaue.

Auf den trockenen Hügeln, also im Wardartal von Üsküb bis Gewgeli, bei Prilep, Monastir, an den Seen herrscht Buschvegetation vor; manchmal finden sich dichte, fast undurchdringliche Massen, sehr häufig sind lockere Bestände: Gruppen von Büschen sind getrennt durch Flächen, welche mit Gras und Kräutern bedeckt oder ganz vegetationslos sind. Und die Büsche sind meist klein und niedrig, rundlich geformt. An vielen erkennt man bekannte Blätter, wie Brombeeren, Weißdorn, andere muten fremdartig an, wie der stachliche Judendorn (Patiurus aculeatus Lam.) ([Abb. 11]) und die Stacheleiche (Quercus coccifera L.). Andere sind wir gewohnt als Bäume zu sehen, so weichblätterige Eichen, Feldahorn, Hainbuchen. Dazwischen kommen in manchen Lagen Wachholderbüsche vor.

Dr. Laser phot.

Abb. 11. Judendorn (Paliurus aculeatus Lam.) bei Kaluckova.

Gerade im Frühling war die Fülle der Pflanzen und Tiere auf den Hügeln unermeßlich. Die dunklen Büsche bestanden in der ganzen Gegend fast ausschließlich aus einem dichten Gestrüpp mit harten, stachelichen, glänzenden Blättern. Zunächst glaubte man etwas Ähnliches vor sich zu haben, wie die Stechpalme des heimischen Schwarzwaldes. Sah man genauer zu, so fand man eigenartige Blütenträubchen, manchmal jetzt noch vertrocknet am Busch Früchte, die genau wie unsere Eicheln aussahen, Körbchen und Eicheln lagen zum Teil noch vom Herbst am Boden herum und später im Jahr waren die Büsche reichlich mit Eicheln bedeckt. Es war also eine Eiche, die man wohl die Stacheleiche nennen darf (Quercus coccifera L.), ein Gewächs, das keiner vergessen wird, der einmal in diesem Gebiet gelebt hat ([Abb. 12] und [16]).

Dr. Frischholz phot.

Abb. 12. Bebuschte Hügel (hauptsächlich Quercus coccifera) in der glühenden Sommersonne Mazedoniens (bei Gradec).

Jetzt im Frühling sah der Strauch, aus der Nähe betrachtet, sehr reizvoll aus. Die neuen Zweige waren mit hellgrünen, am Rande rötlich schimmernden, zarten Blättern bedeckt. Deren Stacheln waren noch weich, so daß man ruhig mit vollen Händen hineingreifen konnte. Allerdings mußte man dabei im Gebiet der jungen Sprosse bleiben; griff man in die alten hinein, so zerstach man sich an deren scharfen Stacheln die Finger abscheulich.