Zwischen den Büschen stieg ich die steilen Hügel aufwärts, bald am Steilrand einer Schlucht, bald über eine scharfe Felsenkante, dann wieder auf blütenreichem Wiesenpolster; wo Fußpfade und Herdenspuren verfolgbar waren, zogen sie sich vielfach geschlängelt durch das Stacheleichengestrüpp.
Mit den Stacheleichen bildeten andere stacheliche, dornige Sträucher die Gebüsche; alle hatten harte, glatte oder dickwollige Blätter. Diese ausdauernden Sträucher waren durch allerhand Schutzmittel gegen tierische Feinde geschützt. Sie alle besaßen Stacheln, Dornen, Behaarung, zum Teil auch lederige Blätter. Trotz dieses Schutzes zeigten sie besonders an dem jungen Zuwachs Anzeichen von Benagung durch Weidetiere. Diese sind hier im Lande die grimmigsten Feinde der ausdauernden Pflanzen. Vor allem die so viel gezüchteten Ziegen mit ihrer unersättlichen Gefräßigkeit lassen keinen Baumwuchs, kein höheres Buschwerk aufkommen, es sei denn die Pflanze durch gute Waffen gegen die Zudringlichkeit des Tieres geschützt. Was sie vor Tieren schützt ist vielfach gleichzeitig Schutz vor Austrocknung. Denn viele Feinde bedrohen auf den mazedonischen Hügeln die Pflanzenwelt, und unter ihnen ist neben den Ziegen die Trockenheit der Sommermonate wohl der gefährlichste.
Abb. 13. Hügel bei Kaluckova im Frühling.
Jetzt schon im Mai war die Erde auf den Hügeln von außerordentlicher Härte und Trockenheit; riß man einen Grasbüschel aus, so war die an seinen Wurzeln hängende Masse schon leicht staubig und sehr steinreich. Es war erstaunlich, daß trotzdem eine solche Fülle von Pflanzen im Hügelgelände wuchsen und blühten. Sie mußten besonders gegen Austrocknung geschützt sein; die große Mehrzahl von ihnen waren zudem ganz kurzlebige einjährige Pflanzen.
Abb. 14. Buschvegetation der Hügel bei Kaluckova. Sommersanfang.
Viele der Hügelblumen dufteten stark und an den windstillen Maimorgen war die Luft von köstlichen Gerüchen erfüllt, in denen eine mannigfaltige Insektenwelt schwirrte und summte. Thymian und Kamillen bildeten an vielen Stellen große Beete und Polster zwischen Steinen und Gebüsch. Sehr auffallend war eine rosa-gefärbte, großblütige Cistrose. Strohblumen, Labkräuter, Lichtnelken, Goldklee mischten ihren Duft mit jenen. Verschiedene Kleearten, weiß und rotblühend, waren von zahlreichen Bienen umsummt. Das waren meist solitäre Bienen, welche in der Nähe im Boden bauten. An einzelnen Stellen fand sich ein rundes Loch neben dem anderen im lehmigen Boden; da flogen die Bienen unablässig ein und aus.
Der Artenreichtum der auf den Hügeln jetzt gerade blühenden Pflanzenwelt war außerordentlich groß. Sie bildeten einen bunten Blütenteppich von wunderbarer Pracht. Von einzelnen der Pflanzen fanden sich an einzelnen Stellen große Bestände. So leuchteten an einem Abhang große Flecken einer gelben Schafgarbe, neben ihnen war die Halde mit einer roten Wicke bedeckt. Über diesen Blumen schaukelten im Morgenwind die Ähren eines großen Zittergrases, die mindestens dreimal so groß waren, als bei unseren deutschen Arten. Die großen herzförmigen Ähren ließen ein leißes Rascheln ertönen, wenn der Wind sie bewegte. Zarte Lichter wurden von ihrer matten, silberigen Oberfläche gespiegelt.