Bemerkenswert für die Höhenregion der Kobeliza ist das Vorkommen von Hummeln von nordischem bzw. hochalpinem Typus. In der unteren Grenze dieses Gebiets bei 1400-1600 m flog Bombus lapponicus var. pratincola Nyl., weiter oben die var. alpestris Friese, var. helveticus Friese und var. balcanicus Friese, letztere ganz hoch oben auf den Matten über 2000 m.

Die einzigen Spinnentiere, die ich in dieser Region fand, waren Weberknechte; es fanden sich zwischen 1500 und 2000 m unter Steinen ziemlich häufig Phalangium cornutum T., seltener Egaenus convexus C. L. Koch, dieser letztere hier das einzige Mal in Mazedonien.

Prof. Müller, der, vom nördlichen Abhang kommend, hier zu mir stieß, gelang in diesem Gras ein interessanter Fang. Er fand hier eine eigenartige Kreuzotternart, die Großaugenviper (Vipera macrops Méhély), welche bisher nur aus Bosnien und der Herzegowina bekannt war. Die Art gleicht unserer Kreuzotter in der dunkeln Färbung und dem Zickzackband des Rückens, frißt aber nicht Mäuse wie diese, sondern vorwiegend Heuschrecken.

Von hier aus begann der Aufstieg sehr ermüdend zu werden; abwechselnd ging es über Rasen und Felder von Steintrümmern. Immer wieder täuschte ein aufragender Buckel uns den Gipfel vor. Endlich verriet uns ein Steinmanderl, das wer weiß wer hier oben errichtet hatte, den Gipfel.

Hier überraschte mich ein so überwältigend großartiger Rundblick, daß ich beschloß, lange Zeit auf dem ganz kleinen Raume des Gipfels zu verweilen, hier oben in der Sonne zu liegen und das umliegende Gebirge genau zu studieren. Tatsächlich blieb ich mehrere Stunden lang in dieser wundervollen Höhe, da allmählich von verschiedenen Seiten ansteigend alle Teilnehmer der Expedition sich auf dem Gipfel versammelten.

Die Ausbeute war für uns alle hier oben nicht allzu groß. Solche Grasberge pflegen weder faunistisch noch floristisch große Ausbeute zu liefern. Zumal war es jetzt Mitte August, somit für den Botaniker etwas spät im Jahre für diese Höhenzone. Ich bestimmte die Gipfelhöhe auf etwas über 2500 m. Offenbar war es der höchste Gipfel des Gebirgsstocks.

Die meisten Alpenplanzen waren schon verblüht. Immerhin machten unsere Botaniker auch hier einige interessante Funde, meist an schon samentragenden Pflanzen. Jetzt blühten noch einige Steinbrecharten, Nelken, Silenen und überall lugten zwischen Moos und niederem Gras die blauen Sternchen der Alpenaster (Aster alpinus L.) hervor. Etwas weiter unten blühte eine Glockenblume (Hedraeanthus kitaibelii DC.), hier oben stand das zierliche Sandglöckchen (Jasione supina Sieper.) und mit Freuden entdeckte unser Botaniker Bornmüller die ersehnte Balkandrottelblume (Soldanella pindicola Hauska.).

Wie immer versammelten sich hier in der Gipfelregion allerlei fliegende Insekten, vor allem Fliegen aus der Familie der Oestriden, von Schmetterlingen einige dunkle Erebien. Herr Müller erbeutete hier die auch bei uns vorkommende Gebirgseidechse (Lacerta vivipara Jaen.), auch ein wissenschaftlich bedeutungsvoller Fund.

Abb. 120. Gipfel der Kobeliza 2500 m.