Abb. 119. Mandra (Sennhütte) auf dem Kobelizaanger 1700 m.

Die Nacht sank herab und ein klarer Sternhimmel spannte sich über uns aus. Wie durchsichtig war die Luft in dieser Höhe; wie zog man genießend die frische Bergluft in die Lungen ein und ruhte sich von Staub und Gluthitze aus, aus denen man für einige Tage erlöst war.

Wir hatten einen sehr geeigneten Platz ausgesucht, um das umliegende Gebiet zu erforschen. Unmittelbar hinter unserem Lager stieg der Gipfel der Kobeliza kegelförmig an, zunächst felsig, nach oben aber in Matten übergehend. Sie ist ein typischer Grasberg, vor allem zogen sich von unserer, der Ostseite, die Matten bis zum Gipfel, während nach Süden schroffe Kalkfelsen steil abfielen.

Schon früh am nächsten Morgen brach ich auf, um zunächst den Gipfel der Kobeliza zu ersteigen. Ich kletterte zuerst durch steile weiße Kalkfelsen, welche sich malerisch hinter unserem Lager erhoben. Über den Hängen flogen Steinrötel (Monticola saxatilis L.) dahin. Die Matten zwischen den Felsen trugen eine reiche Pflanzenwelt. In der unteren Zone gab es noch einzelne Buchenbüsche, dazwischen Wachholder, eine Art hoch, buschig wachsend, eine zweite Form die gleiche, welche ich auf der Mala Rupa beobachtet hatte, am Boden hinkriechend, ein zartes Polster bildend (Juniperus nana Willd.). Zwischen 1600 und 1700 m Höhe wuchsen Himbeeren und Erdbeeren, allerdings jetzt ohne Blüten und Früchte, dazwischen ein Gänseblümchen, reichlich Fingerhut (Digitalis ferruginea Gris.), zwei Stiefmütterchenarten. Sehr charakteristisch für diese Region waren die zahlreichen Eberdisteln, deren weiße, starre Kronen, überall dicht an den Boden gedrückt, aufleuchteten (Carlina acaulis L.). Silene-Arten blühten zwischen den Steinen und vor allem freute mich, heimatliche Erinnerungen an die bayerischen Berge weckend, ein weißes Studentenröschen (Parnassia palustris L.), welches an feuchteren Stellen stand. In Mulden an geschützten Plätzen erhoben sich stattlichere Pflanzen, Veratrum album, verschiedene hohe Königskerzen (Verbascum longifolium Ten.) und eine Anzahl mächtiger Distelarten bildeten da große Bestände. Zwischen den Steinen standen viele Exemplare einer Wolfsmilchart. Die Disteln waren Cirsium candelabrum Gris. und C. appendiculatum Gris.

Der Aufstieg ging steil über offenes Gelände weiter; vor mir erstreckte sich ein unendlich erscheinender grasiger Abhang, südwärts ragten steile weiße Felsen auf. Als ich etwa die gestern überschrittene Paßhöhe mit 1900 m erreicht hatte, begann die Pflanzenwelt allmählich alpinen Charakter anzunehmen. Hohe Stöcke von Geum montanum L. mit den tiefgelben Blüten, eine Art von Euphrasia, eine stattliche Primel (Primula columnae Ten.), Glockenblumen (Campanula pusilla), Steinbrecharten, eine schöne Storchschnabelart mit großen roten Blüten (Geranium subcaulescens L'Hér.) wuchsen hier nebeneinander und boten, da viele von ihnen noch in Blüte standen, einen bunten reizvollen Anblick dar.

An einem Einschnitt floß das Wasser einer kleinen Quelle rauschend die Wiese hinab. Es war in einer Höhe von 2000 m. Am Rande des Bächleins und unter den Steinen gab es hier Regenwürmer, große Laufkäfer (Pachystus cavernosus E., Carabus violaceus rilvensis Kolbe), und die üblichen Flohkrebse (Gattung Gammarus), welche man hierzulande in fast jedem Brunnen findet. In der Nähe des Wassers fanden sich Ameisen unter Steinen, so die überall so häufige Rasenameise (Tetramorium caespitum L. und Formicina mixta Nil. var. mixto-umbrata For.).

Nun stieg ich steil weiter über einen eigenartig gleichmäßigen Rasen eines dunkelgrünen Grases. Einzelne Blüten der unten gefundenen Pflanzen lockten Schmetterlinge von dunkler Farbe mit blauen Flecken (Erebia sp.) und Bläulinge an.

Ebenso wie die Pflanzenformen, so wurden in der Höhenregion zwischen 2200 und 2500 m die Insekten ausgesprochen alpin. Es zeigte sich ein charakteristischer Unterschied gegenüber den Erfahrungen auf der einige hundert Meter niedrigeren und um einige Grade südlicher gelegeneren Mala Rupa. Vor allem waren hier oben die ausgesprochenen Hochgebirgsschmetterlinge vertreten, die zum Teil den Formen unserer Hochalpen nahestanden. Dort waren wir auch einer Gebirgsfauna begegnet, der aber die ganz typischen Hochgebirgstiere fehlten. So möchte ich als besonders wichtigen Fund Erebia tyndarus macedonica Buresch erwähnen, der auf der Mala Rupa durch E. t. balcanica Rbl. vertreten war. Die hier fliegende Form steht unserer Hochalpenform von E. tyndarus viel näher.

Von anderen Arten dieser schönen dunkelbraunen oder tiefschwarzen Falter mit den leuchtend blauen Augenflecken, die reichlich in der Höhenzone der Kobeliza vertreten waren, seien genannt Erebia lygaea L., E. epiphron orientalis Elw., E. rhodopensis Bur. und E. pronoë Esp., eine ganz stattliche Zahl von Arten.

Andere interessante Schmetterlinge waren Epinephele lycaon Rott., Coenonympha tiphon forma rhodopensis Elw., ein stattlicher Bläuling (Lycaena corydon Poda), der in Mitteleuropa in der Tiefe, hier als alpiner Schmetterling lebt. Eine Höhenform ist schließlich die Hesperide Angiades comma.