Wo das Tal am Berghang sich öffnete, floß der Bach in ein Sumpfgelände, in welchem zahlreiche hohe Disteln, Doldenpflanzen, Schilf und Binsen, meist verblüht und zum Teil verdorrt standen. Hier entsprang am Hang auch eine kleine Quelle, in deren Wasser unter Steinen sich Blutegel und kleine Flohkrebse fanden, wie sie fast in jeder Quelle und an jedem Brunnen vorkamen.
Über den Sumpf stiegen steile Felsterrassen an der Wand der Weißtannenhöhe aufwärts. Mehrmals wechselte ein senkrechtes Felsenband mit einer sanfter geneigten Halde ab, welche mit Gras und Kräutern und dazwischen den dunklen Wachholdersträuchern (Juniperus excelsa M. B.) bedeckt waren.
Hier und über dem Sumpf flogen die Apollofalter, die wir schon beim Aufstieg bemerkt hatten. Auch hier hatten wir wie in der Mala Rupa kein leichtes Gelände, um die stolzen Schmetterlinge zu fangen. Im Sumpf versank man bis zum Knie im Schlamm, und das Wettrennen am Steilhang, abwechselnd auf dem glatten Rasen zwischen dem Wachholder und an den Felsenbändern, kostete trotz der frischen Bergluft manchen Schweißtropfen.
Weder mein braver Rangnow noch ich ließen es uns verdrießen und unsere Mühe wurde durch eine reiche Ausbeute belohnt. Während wir auf der Mala Rupa für den Apollofalter Mitte Juli etwas zu früh daran gewesen waren, und somit nur wenige frische Exemplare antrafen, waren wir hier Mitte August offenbar schon in das Ende der Flugzeit des schönen alpinen Schmetterlings geraten. Wir fingen noch eine Anzahl Exemplare, aber die meisten waren schon recht abgeflattert. Ja einige Exemplare fand ich im Sumpf auf den Disteln sterbend oder schon tot.
Auch sonst flogen hier in der warmen Sonne des Nachmittags zahlreiche Schmetterlinge umher, Lycaeniden, Erebien und Coenonymphen in verschiedenen Arten. Bemerkenswert war hier eine den Perlmutterfaltern zugehörige Form von Argynnis pales, die sich deutlich von der auf der Mala Rupa aufgefundenen Argynnis pales balcanica Rbl. unterscheidet und wahrscheinlich eine unserer alpinen A. pales pales sehr nahestehende neue Form ist. Damit war wieder der ausgesprochene alpine Typus der Tierwelt hier im Schardakh, gegenüber der etwas niedriger und südlicher gelegenen Mala Rupa bestätigt. Von den Bläulingen erwähne ich Lycaena damon Schiff.
Schöne Schwebfliegen hielten sich auch in der Sumpfregion auf; ich erwähne Chrysotoxum bicinctum L. und die alpine Ch. cantum Harries.
Reichlich waren in der Nähe des Sumpfes auch Spinnen vertreten, so Oxyopes ramosus Panz., Pirata piscatoria Clerck., Heriaeus hirsutus Walck. und Thanatus arenarius Thor.
Sehr schön war von den Felsen der Blick hinab, steil die Hänge hinunter in das tief eingeschnittene Tal und über dieses hinaus gegen die Wardarebene und auf die Karaschiza.
Wir saßen müde vor unseren Zelten, als die Nacht niedersank und Stern auf Stern am Himmelsgewölbe aufblinkte. Unsere Mannschaften, Deutsche, Bulgaren und Albaner saßen und standen um die Lagerfeuer, deren roter Schein auf die Felsen hinter unserem Lager fiel und riesige Schatten der Menschen über die Wiese warf. Drüben in der Sennhütte bellten und heulten die Hunde und aus den Hürden ertönte das dumpfe Blöken und Meckern der zusammengedrängten Herden. Bei der Rückkehr hatten wir diese, in große Staubwolken gehüllt, von den Hochweiden niedersteigen sehen.
Die Lagerfeuer waren allmählich niedergebrannt, manche unserer Leute schliefen schon. Nur von Zeit zu Zeit flackerte ein Feuer noch einmal knisternd auf, warf prasselnd eine Garbe von Funken in die Höhe. Trotzdem kein Mond am Himmel stand, genügte das Licht der Sterne, um uns die Umrisse der Berge, den Taleinschnitt gegen Kalkandelen, drunten die Talebene und jenseits die lange gleichmäßige Kette der Karaschiza erkennen zu lassen.