Sieht man auf dem Markt eine hohe, stattliche Gestalt von schlankem Wuchs, so ist es sicher ein Albaner. Diese befinden sich in Mazedonien offenbar immer noch im Vordringen nach Osten, welches seit längerer Zeit im Gang und jetzt etwa im Wardartal zu einem gewissen Stillstand gekommen ist. Der Albaner sieht mit seinem dunklen, meist schwarzen Wollgewand, mit den engen Hosen und den Wickelgamaschen meist flott und energisch aus. Die Gesichter sind meist schmal, die Nasen gut gebaut, leicht gekrümmt, auf dem kurz geschorenen Haar sitzt ein halbkugelförmiges weißes Filzkäppchen, welches den Kurzkopf etwas länger erscheinen läßt als er in Wirklichkeit ist. In der Tracht der Männer ist es hier offenbar auf Schlankheit abgesehen. In den Bergen, wenn sie mit langen Schritten bergan steigen, erinnern mich die Albaner stets an unsere schlanken Bergbewohner in Oberbayern.

Abb. 124. Marktszene in Üsküb. Paprikaverkauf.

Albanische Frauen sieht man auf dem Markte in Üsküb ebensowenig wie Türkinnen. Die letzteren zeigen sich ja als Mohammedanerinnen so wenig wie möglich öffentlich. Aber auch bei den christlichen Stämmen der Albaner tritt die Frau viel mehr in den Hintergrund als bei slavischen Völkern.

Abb. 125. Albanische Jugend.

Von den Bewohnern Mazedoniens haben dem Lande die Türken am stärksten ihr Gepräge aufgedrückt. Das merkt man vor allem an den Städten, die alle von Kuppeln von Moscheen und von Minarets überragt sind. Üsküb (bulgarisch Skopje) bietet das malerische Bild einer richtigen Türkenstadt. Das gilt vor allem von der Hälfte der Stadt, die auf dem linken Wardarufer liegt. Aber auch die Vorstädte auf dem rechten Ufer des Flusses mit ihren hohen Gartenmauern, innerhalb deren Haus und Hof von der Außenwelt abgesperrt liegen, zeigen echt türkischen Charakter, wenn auch jetzt die Häuser, einst von Türken für Türken gebaut, meist von Bulgaren, Albanern, Juden und Mitteleuropäern bewohnt sind, nur selten mehr von Türken.

Das ganze Stadtviertel auf dem rechten Wardarufer hat einen mehr oder minder südeuropäischen, aber sehr charakterlosen Typus. Es ist schmutzig und verkommen, hat vernachlässigte Straßen, halbzerfallene Häuser, alles ist erfüllt von Staub und Gestank im Sommer, von Schlamm und Unrat im Winter. In den Straßen, die vom Bahnhof gegen die Wardarbrücke führen, liegen einige sogenannte Hotels, schmutzige Buden. Einige von ihnen, vom deutschen Militär in die Hand genommen, boten erträgliches Quartier mit sauberen Betten unter Aufsicht deutscher Feldwebel. Dort fand man ruhige Nächte, wenn man das Haus von Dämpfen schwefeliger Säure erfüllt fand, zum Zeichen, daß gerade eine große Wanzenbekämpfung durchgeführt worden war. Von diesen Plagegeistern wird an einer anderen Stelle die Rede sein.

Nur die von den deutschen Truppen errichteten oder ausgebauten Häuser machten einen erträglichen Eindruck. Das Soldatenheim am Bahnhof, die Offizierkasinos, einige als Sitz der Stäbe und als Wohnungen der höheren Offiziere hergerichtete Bauten, sahen sehr erfreulich und einladend aus. Manche von ihnen waren mit einfachsten Mitteln künstlerisch schön und wohnlich umgewandelt. So boten sie den Deutschen, welche Jahre lang hier hausen mußten, einen Aufenthaltsort, der sie in die Heimat zurückversetzte, während draußen an die geschlossenen Fenster und Türen der Orient anbrandete.

Ging man aber über die Wardarbrücke hinüber, so erhob sich vor einem malerisch und bunt die Türkenstadt. Hier war der Bazar, hier brauste das Leben durch die steilen engen Gassen, hier drängte sich das Volk und klapperte über das holperige Pflaster und man hatte Mühe auszuweichen, wenn irgend ein Wagen in rasendem Galopp, mit Geschrei und Peitschenknallen des Fahrers, die Menge zerteilte.