Abb. 136. Kurschumli-Han. Innenhof.

Ebenfalls auf die Serbenzeit und sogar auf den Zaren Stephan Duschan selbst wird die eigenartige Kirche Sv. Spas zurückgeführt, die klein am Berghang verborgen zwischen Häusern liegt, ohne Turm und auffallende Fassade. Ihre Fundamente mögen auf alte Zeiten zurückgehen, aber die Malereien und Schnitzereien im Innern sind sicher viel späteren Datums; letztere sind zum Teil mit 1840 datiert.

Es war ein schöner Augenblick, wenn man aus dem Gewimmel der Gasse auf den stillen, kleinen Kirchenhof trat, dessen Boden von Grabplatten bedeckt war. Zwischen deren Spalten sproßten Pflanzen hervor und so war im Frühsommer der ganze Raum von Blütenflor bedeckt, von Blumenduft erfüllt. Durch eine niedere Türe führte es einige Stufen hinab in das Kircheninnere, welches von dem auf die Sinne wirkenden, zunächst verwirrenden Glanz der slavischen Kirche erfüllt war. Dunkle Holzschnitzerei füllte den niedrigen Raum bis zur Decke aus, in den Einzelheiten ein merkwürdiges Stilgemisch zeigend, aber doch sehr wirkungsvoll als Einrahmung der Altarbilder mit dem reichen Gold der Heiligengewänder und Heiligenscheine, als Wände der Beichtstühle, als Stützen der Gestühle und Schranken. Wie stets in der griechischen Kirche, ist das Allerheiligste vom Laienpublikum durch Schranken (Ikonostas) abgeschieden. Die Heiligenbilder sind nicht bedeutende Malereien, in ihrem charakteristischen Stil verfehlen sie ihre Wirkung nicht.

Abb. 137. Ikonostas der Markuskirche in Üsküb.

Hier wie in manchen slavischen Kirchen des Balkans habe ich öfters den recht eindrucksvollen griechischen Gottesdienst mitgemacht. Besonders schön pflegen die Gesänge der Kirchenchöre zu sein, bei denen mir oft prachtvolle Männerstimmen, besonders Bässe, auffielen. Die slavischen Kirchengesänge zeichnen sich durch großen Melodienreichtum aus. Ich habe gelegentlich in Serbien, Bulgarien, Mazedonien und Rumänien Gottesdiensten beigewohnt, einfachen Feldgottesdiensten wie pompösen Repräsentationen. Ich hatte meist den Eindruck einer leeren, nicht sehr tief wirkenden Handlung. Dazu trug meist das Geringe der Persönlichkeit der Priester bei.

Abb. 138. Bulgarischer Pope aus der Kirchentüre des Klosters bei Pubjance tretend.

Auch in Üsküb begegnet man oft auf der Straße den schwarzen Gestalten der Popen. Mit ihren großen Bärten, ihren mächtigen Kopfbedeckungen und wallenden Kaftanen sahen sie manchmal pompös aus. Kam man ihnen näher, so verschwand sehr bald der Nimbus. Viele von ihnen waren schäbig gekleidet, wenig an Körper und Kleidern gepflegt. Andere waren geschniegelt und gut angezogen, je nach Stellung und sonstiger Art. Merkwürdig war die geringe Achtung, welche ihnen im allgemeinen die Soldaten und Offiziere entgegenbrachten. Meine bulgarischen Freunde sagten mir, die meisten unter ihnen seien wenig gebildet, hätten schlechte Manieren, geringes Wissen. Doch gebe es unter ihnen auch tüchtige und feine Menschen.

Ich habe gelegentlich auch höher stehende Popen getroffen, so bei den Armeestäben, aber kaum einen, der eine fremde Sprache beherrschte. Somit habe ich keine eigenen Erfahrungen über diese slavischen Geistlichen. Doch hatte ich Gelegenheit, bei manchem eine prachtvolle Singstimme zu bewundern. Einer eigenartigen Feier wohnte ich in der Kathedrale in Bukarest bei; in Rumänien besteht ja die gleiche orthodoxe griechische Kirche, und so war der Ritus derselbe wie in den bulgarischen Kirchen. In Bukarest zelebrierte der dortige Metropolit selbst die Messe in einer Schar glänzend geschmückter Priester. Es wurden Verse in altslavischer Sprache gesungen, denen Chöre antworteten. Diese machten mir damals einen sehr schönen Eindruck, da sowohl die Stimmen der Priester, als auch die in den Chören vortrefflich waren und die sehr schönen Gesänge sehr rein und ausdrucksvoll gesungen wurden. In Üsküb trat allerdings das Christentum jedenfalls in den Gebäuden nicht hervor und im allgemeinen war es auch reizvoller und interessanter, sich mit dem, was aus der Türkenzeit von mohammedanischem Wesen übrig geblieben war, zu beschäftigen.