Von Moscheen besuchte ich eine ganze Anzahl, deren Gittertore, Vorhallen, Gewölbe und Teppiche vielfach sehr schön waren. Auch die um einige von ihnen gelegenen Gräber mohammedanischer Vornehmen waren zum Teil sehr eigenartig und gute Leistungen von Kunstschmieden. Stattlich ist besonders die Murad-Moschee, in welcher schöne Teppiche zu sehen waren. Neben ihr steht der rote Uhrturm, ein Wahrzeichen Üskübs. Im Stadtteil um die Zitadelle, nicht weit des Kurschumli-Han, befinden sich die ältesten Moscheen. Besonders hervorragende Architekturen gibt es in Üsküb nicht, immerhin ist es ein anständiges Niveau, welches die dortigen Moscheen repräsentieren, und was die Türken von Bauwerken hinterlassen haben, flößt einem doch Respekt vor der Kultur ein, welche sie in diesem Lande vertraten.

Einen merkwürdigen Ausdruck mohammedanischer Religiosität lernte ich in den Ekstasen sogenannter tanzender und heulender Derwische kennen. Jeder, der eine Stadt des Orients besucht, hat Gelegenheit, dergleichen kennen zu lernen. Vor allem aus Ägypten oder Algier gibt es viele Darstellungen dieser seltsamen Exzesse. Das, was ich davon in Üsküb sah, verdient wegen seiner Besonderheit Erwähnung. Hier handelte es sich nicht um eine öffentliche Schaustellung in einem großen Raum, sondern wir durften fast heimlich die religiöse Handlung bei einer Sekte, die sich aus armen, einfachen Leuten zusammensetzte, in einem kleinen Haus eines entlegenen Stadtteiles ansehen.

Das Ganze war mit einem gewissen Mantel des Geheimnisses umgeben; ein Führer begleitete uns gegen Mitternacht durch dunkle Gassen in ein fernes Quartier am Rand der Türkenstadt. Nur mit der Laterne fanden wir unseren Weg durch enges Gewinkel. Zuletzt bogen wir in einen mauerumfaßten Hof und traten in ein niederes kleines Haus ein, welches nur dürftig mit einigen qualmenden Lampen erhellt war. Ein etwas größerer Raum war für die sogenannten Derwische frei gemacht. Die Nebenräume füllten sich allmählich mit einer Menge einfacher Männer aus dem umgebenden Viertel. Alles flüsterte nur und bewegte sich mit großer Geschäftigkeit schlürfend durch die Räume. Wir als Offiziere wurden mit einer gewissen Auszeichnung behandelt, die im wesentlichen darin bestand, daß man uns Polster darbot, auf denen wir uns niederhocken konnten.

ÜSKÜB IM SCHNEE.

Dann kamen einige einfache Männer in den mittleren Raum, entkleideten sich den Oberkörper und verhielten sich zunächst still und schweigsam. Es waren alles Männer aus dem Volk, Arbeiter, Handwerker, Gärtner, Diener, Knechte, Lastträger, die zu dieser eigenartigen Sekte gehören. Es ist bemerkenswert, daß auch die mohammedanische Religion Sekten gebildet hat, deren Lehren nicht nur die Theologen ergreifen, sondern einen starken Einfluß auf das Volk haben.

Ein etwas älterer Mann, den sie ihren Scheik nannten, ordnete die Männer in Reihen mit befehlendem Blick und energischen Handbewegungen, den einen hierhin-, den anderen dorthinweisend. Tiefe Stille trat ein, als er jedem seinen Platz anwies und jeden fast eine Minute lang scharf fixierte. Der Scheik leitete die ganze Handlung, die stundenlang dauerte und hatte offenbar die Leute alle vollkommen in der Hand.

Zunächst hockten sich die Männer hin und begannen langsam und rhythmisch „Allah‟, „Allah‟, „Allah‟ zu rufen. Laut und sonor klangen die Stimmen, immer lauter werdend. Dann begannen alle gleichmäßig den Oberkörper hin und her zu bewegen, wobei sie die Arme über der Brust gekreuzt hielten. Der Rhythmus des Rufs und der Bewegung wurde beständig von dem Scheik geleitet, der dabei die einzelnen oft sehr grob anherrschte.

Waren die Leute ermüdet, so pausierten sie für einige Minuten und fingen dann wieder mit ihren Ausrufen und Bewegungen an. Der Rhythmus der Bewegung wurde immer schneller und die Rufe immer lauter gegen Ende eines solchen Satzes. Die Leute strengten sich immer mehr an, es war ein ganz seltsamer Anblick, wie ihre Bewegungen immer mechanischer, ihre Blicke immer stierer wurden.

Nach Mitternacht waren Sang und Tanz zu einer hysterischen Ekstase gesteigert. Die Männer waren zum Teil aufgestanden und machten die Bewegungen nun mit dem ganzen Körper. Alle brüllten und schrien Allah, Allah, während einige einen seltsamen rhythmischen Gesang ausführten. Erlahmte einer, wurde seine Stimme heiser, seine Bewegungen langsamer, so brüllte ihn der Scheik an. Half das nichts, so stellte er ihn an einen anderen Platz, ihn langsam führend und dabei seine Blicke in seine Augen bohrend.