Abb. 142. Der Tschifflik von Bardowce. Daneben im Hain das Dorf Bardowce.

Solcher Güter gibt es zahlreiche in Mazedonien und auf meinen Spazierfahrten und Ausflügen, die ich in der Umgebung von Üsküb machte, kam ich nicht selten mit meinen bulgarischen Freunden in solche Besitzungen und durch die zugehörigen Dörfer. Die Herrenhäuser waren vielfach zerstört, oft auch zu bulgarischen Heeres- und Verwaltungszwecken in Gebrauch und dann von Militär bewacht. Die Dörfer selbst waren meist in besserem Zustande und im vollen Betrieb fleißiger Landwirtschaft.

Das Land um Üsküb ist sehr fruchtbar und bei richtiger Bewirtschaftung läßt sich aus ihm viel herausholen. Der Wardar liefert das Wasser, welches in Mazedonien das Lebenselement aller Landwirtschaft ist. So kann man in der Umgebung von Üsküb weite Strecken angebauten Landes durchwandern. Im Frühling ist das breite Wardartal eine einzige grüne Fläche. Allerdings die einzelnen Stücke sind selten von bedeutender Größe. Oft ist aber ein Gebiet ziemlich einheitlich mit Gerste, Weizen oder Roggen bepflanzt, Hafer spielte bei Üsküb eine geringere Rolle.

Später im Jahre begann die Arbeit auf den Mais- und Mohnfeldern, welche sehr sorgsame Pflege verlangen und nur dann Ertrag bringen, wenn viel Fleiß auf sie verwandt wird. Und das geschieht in der Regel; die Bauern, Männer und Frauen, machten mir in der Üsküber Gegend einen außerordentlich fleißigen Eindruck. Bei Tagesanbruch ziehen sie, mit Proviant versehen, auf ihre Felder hinaus, um erst abends nach Sonnenuntergang heimzukehren. Oft, wenn ich nach dem Abendessen mit den bulgarischen Ärzten noch einen längeren Spaziergang unternahm, von dem wir erst zwischen 10 und 11 Uhr heimkehrten, trafen wir noch arbeitende Bauern und Bäuerinnen draußen auf den Feldern. Die Mittagsruhe, welche die Leute draußen hielten, schien mir nicht sehr lange zu dauern. Abends hatten sie fast immer noch eine gute Strecke bis nach Hause zurückzulegen.

Oft sah ich den Bauer allein auf dem Acker mit seinem primitiven Pflug schaffen. Meist war dieser mit zwei Zugtieren bespannt. Selten waren dies Pferde, in der Regel Ochsen oder noch häufiger Büffel. Die prachtvollen, mächtigen schwarzen Gestalten dieser Tiere hoben sich oft malerisch vom Abendhimmel ab, wenn die schneebedeckten Hänge des Ljubotren in die glühende Luft hineinragten. Das waren unvergeßliche Bilder von großer Schönheit.

Der Pflug wurde wie bei uns an zwei gebogenen Handhaben geführt, welche der Bauer mit beiden Händen faßte. In der rechten Hand hielt er eine lange, dünne Stange mit scharfer Spitze. Mit dieser, dem landesüblichen Ersatz der Peitsche, wurden die Büffel am Nacken und an den Flanken gestochen und gestoßen, wenn sie nicht recht vorwärts wollten. Die Pflugschar war nur ein kurzer, schmaler Eisenhaken, der kaum 25-30 cm in den Boden eindrang. Trotzdem hatten die Büffel eine tüchtige Arbeit in dem harten, steinigen Boden zu leisten und mußten fest angetrieben werden.

Sie gingen zu beiden Seiten der einfachen Deichsel, welche schief zwischen ihren Köpfen vorragte. Diese stellte die einzige Verbindung mit dem Pflug dar, Stricke und Zügel gab es nicht. An Stelle eines Jochs lag ein vierkantiger langer, schwerer Balken quer über dem Nacken beider Büffel und stand seitlich noch ein Stück heraus. Mit diesem Balken war die Deichsel durch Metall-, meist Kupferspangen, fest verbunden. Räder hatte der mazedonische Pflug nicht.

Die Verbindung der Büffel mit diesem Joch wurde dadurch gesichert, daß unter dem Hals jeden Tieres ein dünnerer, kürzerer Balken dem Querjoch parallel lag; das schwere Joch war mit ihnen durch sechs senkrechte Stöcke fest verbunden. Zwei davon steckten zu beiden Seiten der Deichsel, je zwei bildeten um den Hals der Büffel einen Rahmen, aus dem er nicht herauskonnte und welcher ihre Kraft auf den Pflug übertrug. Schwer und hart lag dies Gestell auf dem Nacken der Tiere, welche meist an den Stellen, an denen das Holz auf ihrer Haut rieb, wund oder mit Schwielen bedeckt waren.

Derselbe wenig schonende, einigermaßen tierquälerische Rahmen diente auch zur Bespannung der üblichen zweiräderigen Bauernwagen. Dieser Karren ruhte auf einer Achse, an der zwei hohe schwere Räder saßen. Es war kein sanftes Fahren in solchen Wagen auf holperigem Feldweg oder querfeldein. Sie wurden zum Transport von allen möglichen Feldprodukten verwandt und um viel Heu, Stroh, Getreide zu fassen, waren sie auf beiden Seiten mit einem hohen Geländer aus spitzen Stangen und Brettern eingefaßt. Das gab diesen Karren ein höchst charakteristisches Aussehen. Selten wurden diese mit Büffeln bespannt; man sah vor ihnen fast immer kurzhörnige kleine Ochsen von gedrungenem Bau ([Abb. 143]).