So lange die Felder brach lagen, sah man oft Herden von Rindern und vor allem von Schafen unter Aufsicht in der Regel jugendlicher Hirten auf ihnen weiden.

Die Ernte war sehr vom Klima des Jahres abhängig. Dürre war für sie die größte Gefahr. Nur wer bewässern konnte, war von ihr weniger bedroht. Getreide wurde meist noch mit der Sichel geschnitten, kaum je auf dem Feld aufgeschichtet, sondern in kleinen Bündeln nach Hause gefahren. Dort wurde es in quadratischen Gebäuden, primitiven Scheunen aufbewahrt, welche Wände aus Flechtwerk, manchmal auch Lehmwände besaßen. Auch in großen Haufen im Freien aufgeschichtet, sah man es manchmal.

Heu konnte in dem heißen Niederland keines gewonnen werden. Aber wo Gebirge in der Nähe waren, holte man es sich von den Matten herunter. Die verschiedenen Ackerprodukte verlangten ganz verschiedene Behandlung, stets aber viel Arbeit. Das galt besonders vom Mohn, der auch bei Üsküb viel gepflanzt wurde.

Es wurde viel und hart auf den Feldern gearbeitet. Die Arbeiter waren meist bulgarische Slaven, was man an ihrer Tracht erkannte und aus den Antworten entnehmen konnte, welche sie auf Ansprache meiner bulgarischen Begleiter gaben. Hier und da sah man auch Türken auf den Feldern und besonders als Hirten Albaner.

Abb. 143. Ochsenwagen vor dem Dorf Orman.

Nicht selten besuchte ich die Dörfer, um Einblick in das Leben der mazedonischen Bulgaren zu gewinnen. Kam man im Frühling während des Tages ins Dorf, so traf man nur alte Frauen und kleine Kinder in den Höfen und Gärten an. Alle anderen waren draußen in den Feldern bei der Arbeit. Ein Dorf sah im Frühling von außen sehr freundlich aus. Meist steckte es tief im Grünen. Hoch ragte eine Gruppe von Pappeln über das Ganze und alle Häuser waren von Obstbäumen eingehüllt. Wenn diese blühten, trug das Dorf sein schönstes Kleid. Kirschen-, Pflaumen- und Apfelbäume spielten die Hauptrolle, dazwischen standen Birnbäume; Aprikosen und Pfirsiche fehlten nicht. Sie hüllten das Dorf in ein Blütenmeer, das es duftig umspann. Am Ende der Blütezeit konnte der Wind Wolken von Blütenblättern über die Dächer wirbeln, die wie Schnee den Boden der Höfe und die Gassen des Dörfchens bedeckten. Hecken umschlossen die einzelnen Häusergruppen. Zwischen ihnen gackerten die Hühner. Am Bach oder Teich des Dorfes trieben sich Gänse und Enten herum, wälzten sich wohl auch Schweine im Schlamm. Es waren die kurzen, hochrückigen, meist schwarzen, mit dichtem Borstenpelz bedeckten Balkanschweine. Die Schafe, Rinder und Pferde waren mit den Menschen draußen. An den Hecken sah man hier und da eine der niemals fehlenden Ziegen knabbern. Feigen- und Granatapfelbäume, die im Süden so häufig gewesen waren, fehlten hier bei Üsküb meistens. Aber auch hier waren die Gärten, welche außen um das Dorf lagen, mit Kohl, Tomaten, Paprika, Melonen bepflanzt. Zwiebeln und Lauch spielten eine große Rolle. Hier und da sah man auch hier die schwarzblauen Auberginen.

Im Sommer hingen an den Häusern die grellroten Paprikaschoten, später auch Maiskolben an der Sonne zum Trocknen. Auch Tabaksblätter sah man an den Hauswänden in der Sonne dörren. Tabak spielte im Anbau eine während des Kriegs stets zunehmende Rolle. Mit der Teuerung stieg sein Wert und schließlich pflanzte jeder Bauer, jeder Soldat sich seinen Tabak selbst. Auch große Felder wurden mit ihm angelegt und damit erwuchs dem Bauern neue Arbeit, aber auch eine neue Einnahmequelle.

Ein Haus, dessen Lehmwand von den goldbraunen Tabaksblättern behängt war, an dessen Fenstern die leuchtend roten Paprikaschoten hingen, mit den dunklen Schlagschatten darüber, welche das schwere Strohdach auf die Mauern warf, bot in der Glut der mazedonischen Sonne ein malerisches Bild von exotischem Zauber.

Kam man abends zum Dorf, so hörte man in allen Gehöften Geräusche der Menschen und heimgekehrten Tiere. Die Stiere brüllten, die Pferde stampften, Kinder und Mädchen sangen, die Wagen knarrten mit ihren ungeschmierten Rädern. Auf den ziegelgedeckten Haupthäusern jedes Gehöftes rauchten die Schornsteine, hier und da blinkte ein Feuerschein aus einem Haus über den Weg. Hunde kläfften und fuhren dem Fremdling an die Beine. Als die Dämmerung niedersank, konnte man ein absonderliches Schauspiel beobachten. Das Geflügel suchte sich seine Nachtquartiere auf. Die Gänse und Enten drückten sich in die Gebüsche und Winkel zwischen den Häusern hinein, begaben sich auch unter die eigenartigen Pfahlbauten, die in den Höfen standen. Am eigenartigsten war aber das Benehmen der Hühner. Auf den Höfen gab es kein Hühnerhaus, sie fanden ihr Nachtquartier ganz wo anders. Mit seinem letzten Kikeriki für diesen Tag schwang der Hahn sich hoch hinauf auf einen stattlichen Baum. Bald folgten ihm seine Hennen nach und wenn es dunkel wurde, kam eine nach der anderen hinauf zu dem sicheren Nachtaufenthalt. Zu ihnen gesellten sich die Truthähne und -hühner.