Abb. 148. Fortpflanzungshäuser.
Das Resultat schien wenigstens die Methode zu loben; als am Nachmittag die ganze Kinderschar eines Hofes sich vor uns versammelte, zählten wir 14 Kinder von 6-12 Jahren als die Nachkommenschaft der hier wohnenden Paare. Auf meiner Photographie der Kindergruppe erblickt man auf einem Dach im Hintergrund ein Storchennest, wie ein Symbol der Methode ([Abb. 149]).
Abb. 149. Die Resultate der Methode.
Die Höfe, die Bewohner und ihre Kinder habe ich noch manches Mal besucht und einiges von ihren Sitten beobachtet. Im Herbst wurde auf dem harten Boden des Hofes das Getreide gedroschen, indem Ochsen und Pferde im Kreis herum getrieben wurden, welche mit ihren Hufen die Körner aus den Ähren trampelten. Dieser altertümliche Ersatz der Dreschflegeln war noch ganz allgemein in Mazedonien verbreitet. Nach der Ernte hörte man überall Peitschenklang, Rufen und Singen der Männer und das Trappen der pflügenden Tiere, die, heftig angetrieben, erst in sich verkleinernden Kreisen, dann nach Umkehr in immer größeren Kreisen an der Leine liefen, welche mitten in dem Getreidehaufen an einer Stange befestigt war ([Abb. 130]). Meist wirbelte in dieser trockenen Zeit eine mächtige Staubwolke um die Dreschszene auf. Auch bei der bulgarischen Armee wurde so gedroschen und ganz selten sah ich Dreschflegeln oder gar eine Dreschmaschine. Auch hier war dem Ochsen und dem Pferd, welches drosch, in der Regel das Maul nicht verbunden.
Zum Schluß wurde das Stroh weggeschafft, und es blieb ein Haufen von Körnern, Spreu und viel Staub und Steinchen auf dem Boden liegen. Die Körner wurden dann in ebenfalls primitiver Weise von Spreu und Staub getrennt, indem die Masse an windigen Tagen auf eigenartigen Schaufeln in die Luft geworfen wurde. Dabei trennte sich das Schwere vom Leichten. Staub und Spreu flogen davon, während die Körner niederfielen und in Säcke gesammelt wurden, nachdem die Prozedur mehrmals wiederholt worden war. Daß einem beim Zerbeißen des mazedonischen Brotes oft die Zähne knirschten, wird man verstehen.
Abb. 150. Das Dreschen mit Pferden.
Nicht nur Arbeit gab es in den Dörfern zu beobachten, sondern gelegentlich auch freudige Feste. Als ich eines Sonntags in die Nähe des Dorfes kam, ertönte aus einem Hof dröhnende Musik. Ich erfuhr, daß dort Hochzeit sei und getanzt würde. Auf der gleichen Tenne, wo neulich die Pferde und Ochsen das Getreide ausgetreten hatten, war eine muntere Gesellschaft versammelt. Alle hatten sie ihre schönen, bunten Feiertagsgewänder an, eine fröhliche Stimmung herrschte. In einer Ecke saß die Musik am Boden, eine riesige Flöte quiekte, ein Dudelsack dudelte und als wichtigster Bestandteil der Kapelle erhob eine mächtige Pauke ihr Donnergetöse. Männer und Frauen schwenkten sich im Kreise und Kinder ahmten nebendran ihre Rhythmen nach. Es waren ähnliche Tänze, wie ich sie an anderer Stelle dieses Buches geschildert habe. Ein feierlicher Augenblick war es, als das junge Paar erschien und durch die Reihen der Tänzer hindurchwandelte, auch sie beide in der eigenartigen Tracht der Gegend.
Am Tag vorher hatte die Vorfeier der Hochzeit stattgefunden. Da wurden die Besucher von festlich gekleideten Familienmitgliedern empfangen. Sie kamen mit Eseln und Maultieren an, deren Sättel mit Geschenken beladen waren. An diesem Tag ließ sich die Braut noch nicht sehen; das Haus des Bräutigams war noch ohne Braut. Er empfing Gäste und forderte zum Tanz auf, der auch an diesem Tage bis tief in die Nacht andauerte.