So gelang es mir, Exemplare in die Heimat mitzunehmen, wo sie als die Art Filistata insidiatrix Forskal bestimmt wurde, eine Form, die auch sonst in Europa verbreitet ist ([Abb. 155 A]).

Nicht selten waren Wände von Häusern im südlichen Wardartal von hunderten der Sternchen bedeckt, welche die Behausungen dieser Spinnen verrieten. Waren ihrer viele nebeneinander, so gingen die Umrahmungen der einzelnen Löcher in die ihrer Nachbarn über. Man vergleiche die umstehende Abbildung ([Abb. 154]). So entstanden manchmal ganz eigenartige Ornamente an den Hauswänden, wobei das ganze Gewebe durch zahlreiche kreuz und quer verlaufende Fäden befestigt war und die regelmäßige Sternform oft vollkommen verschwand.

Zwischen den Nestern der Filistata sah man in großer Zahl Spinnen von einer anderen Art herumsausen, es war Dendryphantes nidicolens Walck., eine Springspinne aus der Familie der Attiden ([Abb. 155 B]). Diese lief immer auf der Wand zwischen den Nestern herum, lauerte auch einmal nahe einem der Löcher. Nie sah ich sie aber in eins der Löcher eindringen. Höchst amüsant war es aber, sie zu beobachten, wie sie oft mit raschem Sprung der Lochröhrenspinne ihre frisch gefangene Beute, welche diese unter ihrer Türe festhielt, aus den Klauen riß und abseits eiligst aussaugte. Da die Springspinne stets in den Städten der Lochröhrenspinne in größerer Anzahl vorkam, so vermute ich, daß sie die ständige Gewohnheit hat, die Filistata auszuplündern und als Straßenräuber in deren Siedlungen sich aufzuhalten.

In den Häusern selbst, in den Ställen, Gängen, Kellern, auf den Aborten gab es viele Spinnenarten mit ihren Netzbauten, vielfach die auch bei uns an ähnlichen Orten häufigen Arten. Auch in meinem Schlafzimmer hielten sich neben allerhand anderem Getier mancherlei Spinnen auf. Vor allem die Netzspinnen beseitigte ich nicht, sondern duldete sie, da es an ihnen manches zu beobachten gab und sie mir noch dazu Schnaken und Fliegen wegfingen.

Ein Exemplar der auch in Deutschland gelegentlich beobachteten Art Pholcus opilionoides Lchk., die ich die Wackelspinne nennen möchte, lebte den ganzen Sommer 1917 in meinem Zimmer, bis ich sie am Ende meines Aufenthaltes mit ihren sämtlichen unterdessen abgeworfenen Häuten in ein Spiritusglas steckte. Sie hatte im Frühjahr als ganz kleines Tierchen ihr erstes Nest in den Winkel zwischen Decke und Rückwand meines Zimmers gebaut, hatte im Laufe des Sommers viermal sich gehäutet und hatte jedesmal die abgeworfene Haut im Netz hängen gelassen, so daß man meinen konnte, in dem einen Netz hausten nun fünf verschieden große Spinnen der gleichen Art. Diese Spinne sieht aus wie ein Weberknecht mit ihren feinen, langen Beinen, auf denen ihr kleiner Körper, wie bei einem Weberknecht schwebt. Sie gleicht auch sonst jenen eigenartigen Spinnentieren, den Phalanginen, die man bei uns in Deutschland außer mit dem Namen Weberknecht auch als Schuster oder Schneider bezeichnet. Die Wackelspinne teilt mit diesen Tieren nicht nur die Eigentümlichkeit, leicht die Beine zu verlieren, sondern auch das eigentümliche Wackeln und Schaukeln auf ihren fadendünnen Beinen. Stößt man in der Nähe des Netzes zufällig an die Wand, so fangen die Tiere an, wie toll hin- und herzuschwingen, wobei sie abweckselnd mit sämtlichen vier linken und darauf mit den vier rechten Beinen Kniebeugen machen. Dieses emsige Wackeln macht einen ganz eigenartigen Eindruck und hat ja seit jeher die Aufmerksamkeit der Menschen erweckt.

Abb. 155 A. Lochröhrenspinne (Filistata insidiatrix Forsk.) und ihr Nesträuber. Abb. 155 B. Dendryphantes nidicolens Kaluckova.

Bei den Beobachtungsstreifzügen in der Umgebung von Kaluckova war es unvermeidlich, gewisse Spinnenarten anzutreffen, deren Netze überall ausgespannt waren. In den Stacheleichenbüschen fand ich regelmäßig eine kleine Spinne aus der Gattung Linyphia (L. frutetorum C. L. Koch), die ein unregelmäßiges Wirrnetz baute. Das Netz war klein, bestand aus zarten Fäden und war an Spannfäden in Lücken der Stacheleichenbüsche zwischen deren Blättern und Zweigen aufgehängt. Die Spinne saß meist lauernd mitten im Netz.

Noch auffallender waren die Bauten der Segelnetzspinne, welche in den Gassen von Kaluckova, auf den Schuttplätzen, in den Hecken, an den Häusermauern überall in großer Menge vorkamen. Die Netze hatten bis zu ½ m Umfang und waren segelförmig an den Zäunen zwischen Disteln und anderen krautigen Pflanzen, an Gräsern und Büschen aufgehängt. An festen Spannfäden hingen die verschieden gestalteten Zipfel, die in den sackförmigen Grund des Netzes führten. Diese Zipfel waren bald länger, bald kürzer. Im Hintergrund ging der Sack in eine lange Röhre über. Diese begann mit einer kreisförmigen, wohlabgegrenzten, aus dichtem Gewebe gebauten Öffnung von 3-5 cm Weite. Die anschließende Röhre war 20-30 cm lang. Sie war oft frei zwischen den Pflanzen aufgehängt, so daß man ihren Bewohner von außen wahrnehmen konnte. Nicht selten aber ragte die Wohnröhre der Spinne in Erdlöcher, Mauerspalten, zwischen Balken und Pflanzen hinein. Die Röhre war ein dichtes Geflecht aus sehr dicken Fäden. Der Sack war auch ziemlich grob und fest, oft sehr schmutzig von Staub und zahllosen Insektenresten. Auch er bestand aus einem wirren Gewebe dicker Fäden. Von seinen Rändern zogen sich starke Spannfäden nach verschiedenen Richtungen. Der ganze Beutel war vollkommen asymmetrisch angelegt, die Wohnröhre ragte nicht in der Mitte heraus, sondern lag mehr an der Seite und war oft abgebogen.

Vorn in der Wohnröhre saß die Spinne auf der Lauer mit dem Kopf nach vorn gerichtet. Es war ein stattliches Tier, zur Art Drassus lapidicola Walck. gehörig. Fiel ein Insekt ein, so rannte sie rasch in das Beutelnetz vor und bewältigte das Opfer. Wurde sie dabei erschreckt, so kehrte sie ebenso rasch in die Wohnröhre zurück und saß ganz ruhig, mit dem Kopf gegen das Ende der Röhre, das Hinterteil nach außen gerichtet und ließ sich da mit der Pinzette leicht, ohne einen Fluchtversuch zu machen, herausholen.