Von einer Art der gleichen Gattung Drassus pubescens Thor. habe ich bei Dedeli unter einem Stein im Mai die Wohnröhre und in ihr den Eierkokon des Tieres, von der Mutter bewacht, gefunden ([Abb. 156]). Die auffallendste echte Spinne im südlichen Wardartal, die auch sonst im heißen Mazedonien weit verbreitet ist, war eine Form, welche ich als die Silberspinne bezeichnen möchte. Es ist ein großes Tier, mit ausgestreckten Beinen fast 15 cm umfassend. Der Körper ist mit eigenartigen Fortsätzen versehen und von einem auffallend harten Chitinpanzer umhüllt, nicht so weich, wie es sonst die Körper der meisten Spinnen sind. Der Hinterleib hat einen eigenartigen polygonalen Umriß mit dreieckigen Vorragungen und tiefen Einsenkungen dazwischen. Der Körper zeigt bei dem lebenden Tier einen eigentümlichen Silberglanz, der das Tier sehr auffallend macht. Die Beine sind gelb und dunkelbraun geringelt. An der Unterseite des Leibes ragen starke Spinnröhren hervor. Die Spinne hat den Namen Argiope lobata Pall. ([Abb. 158]).
Abb. 156. Nest und Kokon von Drassus pubescens Thor. Dedeli, unter Stein.
Sie baut zwischen den Büschen der Hügel bei Kaluckova ein sehr großes Radnetz, das man weithin sehen kann. Es mißt bis zu einem Meter im Durchmesser (meist 60-80 cm) und hängt meist frei in der Luft hoch über dem Boden. Zwischen zwei Stacheleichensträuchern ist ein oft mehrere Meter langer gelblicher, seidiger Faden von beträchtlicher Dicke straff gespannt. Er ist der Aufhängefaden für das große Radnetz. Zu seiner Versteifung dienen viele nach allen Richtungen ausgehende straffe Spannfäden. Der Haupttragfaden besteht aus etwa 30 Einzelfäden, die Spannfäden nur aus 12 solchen, von denen 10 breit bandförmig, zwei jedoch viel dünner sind. Diese letzteren sind besonders elastisch und tragen wesentlich zur Spannkraft des ganzen Gebildes bei.
Abb. 157. Radnetz von Argiope lobata Pall., der Silberspinne.
In der Mitte unter dem Aufhängefaden befindet sich das große Radnetz. Das Zentrum des großen Rades mit seinem Durchmesser von 60-80 cm nimmt eine kleinere kreisförmige Scheibe von etwa 10 cm Durchmesser ein. Diese Scheibe besteht aus nicht klebenden Fäden. In ihrer Mitte sitzt die Spinne als groteske Erscheinung vollkommen ruhig und unbeweglich. Wie ein silberner Schild glänzt ihr Hinterleib; ihre Beinpaare hält sie in einer ganz eigenartigen Stellung, immer je zwei paarweise aneinandergelegt, die zwei hinteren Paare schief nach hinten, die zwei vorderen Paare schief nach vorn gestreckt. So entsteht ein schiefes Kreuz, das man von weitem schon vom Mittelpunkt des Radnetzes ausstrahlen sieht.
Um das kleine Mittelnetz mit seinem engen Bau mit zahlreichen Radien und einer ganzen Anzahl konzentrischer Kreise breitet sich das lockerer gebaute große Rad aus, nach allen Seiten 20-30 cm breit. Auch dessen Hauptfäden, also die radiären Fäden, sowie die inneren und äußersten Kreise bestehen aus trockenen festen Fäden. Dazwischen in der Mitte ist eine Zone von kleberigen Kreisfäden, an denen die Beuteinsekten kleben bleiben. Der äußere Rand des Netzes hat eine nicht ganz regelmäßige polygonale Form, die zum Teil bedingt ist durch Spannfäden, welche das Netzrad nach allen Seiten mit Zweigen und Blättern der Umgebung, mit Gräsern, Holzstückchen und Steinen in Verbindung setzen.
Abb. 158. Silberpinne Argiope lobata Pall. Weibchen. Nat. Größe.