Mehrmals gelang es Exemplare von Galeodes graecus lebend zu erbeuten. Ein großes Weibchen wurde in einem Käfig aus Drahtgaze mehrere Wochen lang lebend gehalten und gab dem ganzen Personal des Lazaretts Kaluckova viel Anlaß zur Belustigung und mir zu manchen interessanten Beobachtungen.

Wie das bei anderen Walzenspinnen beobachtet worden ist, so ist auch Galeodes graecus ein vorwiegend nächtliches Tier. Im Freien habe ich sie nur nachts angetroffen; vor allem kam sie gern in den Lichtkreis der großen Bogenlampen, die einige der militärischen Lager im Wardartal sich leisten konnten. Das gefangene Tier war aber auch bei Tag sehr lebhaft.

Kam man an seinen Käfig, so nahm es sofort eine Bereitschaftsstellung ein; es wich bis an den Hinterrand des Käfigs zurück, hob den Hinterleib etwas in die Höhe und streckte die Maxillarpalpen nach vorn. Dabei vernahm man ein eigentümliches knisterndes Geräusch.

Alle Bewegungen des Galeodes sind außerordentlich rasch und intensiv. Brachte man irgend ein lebendes Tier in seinen Käfig, so dauerte es kaum einige Sekunden, bis dies verschwunden und verschluckt war. Gefangen wurden die Fliegen, mit denen das Tier meistens gefüttert wurde, oft schon im Flug mit den Maxillarpalpen, an deren Enden sie offenbar kleben blieben. Unser Galeodes war unersättlich. Er konnte in einem Tag hunderte von Stubenfliegen vertilgen.

Die Wochen, in denen wir ihn lebend hielten, waren die heißesten und fliegenreichsten des Jahres. Überall in allen Arbeits- und Wohnräumen waren Fliegenfallen aufgestellt, deren ganzes Erträgnis der Walzenspinne zugute kam. Jedermann war aber bemüht, dem Gefangenen allerhand Extras zuzuwenden, so daß dem Tier mit der Zeit wohl die gesamte erreichbare Insektenwelt der Umgebung angeboten wurde. Nichts wurde verschmäht. Heuschrecken, Käfer, Libellen, Schmetterlinge wurden mit dem gleichen Appetit verzehrt, wie gelegentlich ein Stück Fleisch. Kein Unterschied wurde gemacht zwischen toten und lebenden Tieren.

Ebenso wie Galeodes fliegende und sonst rasch sich bewegende Tiere mit großer Schnelligkeit erhaschte, so bewiesen auch andere Beobachtungen die hohe Entwicklung seines Gesichtssinnes; es folgte mit Bewegungen des ganzen Körpers und vor allem mit den Tastern aufs genaueste irgendeinem Gegenstand, den man in seine Nähe brachte.

Wenn ein größeres und härteres Insekt zerkleinert wurde, so konnte man die Bewegungen seiner Kiefer verfolgen, welche wie ein Schnabel an der Zerkleinerung der Beute arbeiteten und sorgfältig die Muskeln aus den Skeletröhren herauspräparierten.

Bemerkenswert ist die große Erregbarkeit von Galeodes. Geringste Reize bewirkten die Annahme der Bereitschaftsstellung; näherte sich ihm ein Gegenstand, so fuhr er wie wild geworden auf ihn los und suchte ihn zu fassen. Dabei wurde der Eindruck der großen Erregung des Tieres noch dadurch vermehrt, daß in solchen Momenten die vorderen Thoraxabdomensegmente lebhaft gehoben und gesenkt wurden. Man hatte den Eindruck eines erregten Atmens; es werden wohl auch sicher Atembewegungen gewesen sein. Tatsächlich liegen ja die Atemöffnungen an den ersten Segmenten des Leibes.

Abb. 160. Walzenspinne Galeodes graecus in Bereitschaftsstellung. Nat. Größe.