Einige alte Bäume waren die Ruheplätze großer Raubvögel. Sie standen meist einsam, so daß es außerordentlich schwer war, sich an sie heranzupürschen, um die Riesenvögel genau zu betrachten oder gar erlegen zu können. Immerhin gelang es, manche der dort sitzenden Arten mit großer Sicherheit festzustellen, zum Teil als Beute von Offizieren und eines Veterinärs, die mehr Zeit auf die Jagd verwenden konnten, als ich, den viele andere Probleme festhielten.

Wie überall in Mazedonien war hier der Kaiseradler am häufigsten (Aquila heliacea heliacea Lad.); die meisten Adler, welche in Mazedonien jung aus den Nestern genommen und bei den Abteilungen aufgezogen wurden, gehörten zu dieser Art. Ich habe ihrer viele in allen Teilen des Landes gesehen. Mit Sicherheit glaube ich ferner beim Katlanovosee den schön braunen Schreiadler (Aquila pomarina pomarina Pr.) und den gefleckten Schelladler (Aquila maculata Gm.) beobachtet zu haben. Im ganzen habe ich im Gebiet fünf Adlerarten gesehen, zu den genannten noch den Zwergadler in der Golesniza Planina (Hieraëtus pennatus Gm.) und bei Hudova den Schlangenadler (Ciraëtus gallicus Gm.) als ziemlich häufige Form.

Dazu kommt noch der Fischadler (Pandion haliaëtus haliaëtus Lad.), der auch in der Nähe des Sees nicht selten war; im Winter konnte ich mehrmals auch Seeadler (Haliaëtus albicilla L.) beobachten.

Einer der alten Bäume im Sumpfwald war der Schlafplatz eines riesigen Gänsegeiers (Gyps fulvus fulvus Habl.). Wie oft suchte ich in der Dämmerung an ihn heranzukommen. Doch nie gelang es, ihn zu überraschen. Er hatte sich seinen Schlafbaum so vorsichtig ausgesucht, daß man beim Heranschleichen von keiner Seite Deckung fand. Schließlich gelang es einem mich oft begleitenden Tierarzt ihn zu erlegen.

An den Abfallhaufen der Korpsschlächtereien konnte man oft auch Mönchsgeier (Aegyptius monachus L.) und den Aasgeier (Neophron pernopterus pernopterus L.) beobachten. Es war ein phantastischer Anblick, wenn die riesigen Vögel sich um die Reste der geschlachteten und gefallenen Tiere balgten. Ein wüstes Geschrei erhob sich um die Abdeckereien herum, wenn die Tiere sich hoch aufrichteten, den nackten Hals zurückbogen und die breiten Federn ihrer Flügel weit auseinander spreitzten. Auch diese beiden Arten kamen in den Sumpfwald zum Schlafen.

Es ist das eine stattliche Schar großer Vogelarten, welche ich damit verzeichne. Für mich als Zoologen gehört es zu den starken Eindrücken, die ich von Mazedonien mitnahm, so viel von der Vogelwelt beobachten zu können. Überall erblickte man Adler und Geier; bei jedem Ausflug in die Berge sah man entweder die Paare der Adler in mächtigen Kreisen hoch oben nahe den Wolken streichen, oder man konnte ganze Scharen von Geiern tief herabschweben und sich auf ein Aas stürzen sehen. Auch die Mengen von Vögeln, die oft von einer Art sich an einem Ort versammelten, waren überwältigend. Wie belebt ist die Luft noch in den Ländern Europas, in denen noch nicht die Eisenbahnschienen das ganze Land, Telegraphen- und Telephondrähte die Luft durchkreuzen und hunderte von Fabrikschornsteinen sie verpesten und den Beherrschern der Lüfte die freie Bahn sperren.

Einen nicht geringen Beitrag zu diesen Erlebnissen lieferte die Gegend des Katlanovosees. Im Sumpfwald waren Falken, Weihen, Sperber und Bussarde noch häufiger als ihre großen Vettern. Eine große Rolle spielen dort auch die Eulen. Oft streifte ich bis tief in die Dämmerung durch die Büsche. Dann flogen nicht selten allerhand Eulenarten leichten Fluges über meinen Kopf dahin.

Eine eigenartige Beobachtung konnte ich an Waldohreulen (Asio otus otus L.) machen. Als ich eines Tages durch ein dichtes Gebüsch drang, flog ein Schwarm von etwa 12 Exemplaren dieser Art vor mir auf. Ich schoß ihrer zwei herunter, die anderen verschlüpften sich so tief in die Büsche, daß ich keine mehr von ihnen an diesem Abend auftreiben konnte. Als ich am nächsten Tag dieselbe Stelle aufsuchte, trieb ich offenbar denselben Schwarm wieder auf. Ich wiederholte meinen Besuch in den nächsten 14 Tagen, es war Mitte April, mehrmals und fand die Tiere jedesmal in demselben Buschstück. Es war dies offenbar ihr Schlafplatz, wo sie vor der Paarungszeit in Gesellschaft schliefen. Schließlich habe ich sie doch vertrieben, da ich mehrmals eine wegschoß.

Auch die Zwergohreule (Otus scops scops L.), sowie die Sumpfohreule (Asio flammeus flammeus Pontopp.) waren bei Üsküb nicht selten. Von Käuzen fanden sich der Steinkauz (Carine noctua indigena Brehm) und der Waldkauz (Strix aluco aluco L.) nicht selten in der Umgegend von Üsküb; in der Stadt selbst sah ich einmal einen gefangenen Rauhfußkauz (Cryptoglaux funerea funerea L.). Mehr mit Käuzen hatte ich im Jahr vorher in Kaluckova zu tun gehabt, wo wir sie zur Untersuchung ihrer Blutparasiten lebend hielten.

Der Uhu (Bubo bubo bubo L.) ist in Mazedonien ein sehr häufiger Vogel. Nicht selten wurden von unseren Soldaten seine Nester ausgenommen und die Jungen in Käfigen aufgezogen.