Mit großem Geschrei flogen zahlreiche Rohrweihen (Circus aeruginosus aeruginosus L.) über dem Röhricht, mit Gebrause sich aus ihm erhebend und in die Tiefe sich stürzend. Zwei Ammern trieben sich mit grellem Geschrei im Schilf herum, die Rohrammer (Emberiza schoeniclus canneti Br.) und eine größere Gimpelammer (Emberiza schoeniclus reiseri Hart.). Im dürren Gras am Ufer liefen am Boden Schafstelzen (Budytus flava feldeggi Michah.) und Kalanderlerchen (Melanocorypha calandra calandra L.) umher.

Es war ein reiches Leben um das Schilfmeer und in ihm; es gab viel zu beobachten und zu erbeuten. Im Mai tauchten viele Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus arundinaceus L.) auf, deren Gesang die Luft erfüllte; auch der Sumpfrohrsänger (A. palustris Bechst.) ließ sich erbeuten, ebenso der Schilfrohrsänger (A. schoenaboenus L.). Alle diese machten ein großes Wesen im Schilfwald; ihre Nester waren vielfach am Schilf zu beobachten und im Sommer gab es viel junge Brut. Die Tiere waren fast ungestört und wurden nur hier und da von einem Sperber oder einem anderen Raubvogel erbeutet.

In großen Mengen kommen im Sumpf um den See die Lachfrösche (Rana ridibunda) vor und waren eine beliebte Kost für die zahlreichen Störche und anderen Stelz- und Wasservögel, von denen viele zur Beobachtung gelangten und von uns und den jagenden Offizieren erbeutet wurden. Ein prachtvolles Tier war der Löffelreiher (Platalea leucorodia leucorodia L.) mit seinem leuchtend weißen Gefieder und seinem fleischfarbenen breiten Schnabel und Kehlsack. Offenbar waren Nester mitten im Röhricht, zu denen die Tiere immer wieder niederflogen. Es war aber unmöglich, mit den morschen Kähnen so tief in das Schilfgewirre einzudringen. Ebenso brüteten im See Fischreiher (Ardea cinerea cinerea L.) und Purpurreiher (Ardea purpurea purpurea L.), deren Nester man auch an unerreichbaren Stellen mit dem Glas feststellen konnte.

Seltener waren im Jahre 1918 die Rohrdommeln (Botaurus stellaris stellaris L.) geworden, welche im Jahr vorher noch sehr häufig gewesen sind. Immerhin gelang es, diese im Frühjahrsröhricht mit seiner gelbraunen Farbe kaum sichtbaren Vögel im Juni, als das Schilf grasgrün war, mehrfach zu erbeuten.

Wundervolle, glänzende Tiere waren die purpurbraunen Sichler, die Ibisse mit ihren schwarzen gebogenen Schnäbeln (Plegadis falcinellus falcinellus L.), welche recht zahlreich im dichten Dickicht vorkommen und unzweifelhaft dort auch brüteten, wie aus den vielen jungen Vögeln zu erschließen war.

Graziös stolzierten Kraniche (Megalornis grus grus L.) durch die Gräser, ihren grauen Federbusch behaglich wiegend. Einen gewaltigen Lärm machten auffliegend die Wildgänse und Wildenten. Außerordentlich häufig war im Winter 1917 die Wildgans (Anser anser L.), die Saatgans (Anser fabalis fabalis Lath.) und im Frühling bei Üsküb die Brandgans (Tadorna tadorna L.).

Die vielen Entenarten, welche regelmäßig oder auf dem Zug vorkommen, will ich nicht einzeln aufführen. Ich will nur die Löffelente (Spatula clypeata L.), die Moorente (Nyroca nyroca Güld.), die Spießente (Dafila acuta L.), die Tafelente (Nyroca ferina ferina L.) und die Eisente erwähnen, welche allerdings nicht von mir, einmal bei Üsküb erlegt wurde.

Verschiedene Teichhühner konnten nicht mit Sicherheit identifiziert werden, dagegen die Wasserralle (Rallus aquaticus aquaticus L.) wurde am Rand des Katlanovosees mehrfach geschossen.

Das war eine reiche interessante Vogelwelt, die sich an den zahlreichen Tagen, welche wir dem See und seiner Umgebung widmeten, uns darbot. Dr. Nachtsheim machte außerdem zahlreiche Planktonfänge, welche Copepoden, Daphniden und Ostrakoden enthielten; sicher waren darunter interessante Formen. Leider konnten sie nicht genau bestimmt werden, da sie zu den wenigen Bestandteilen unserer Ausbeute gehören, welche auf dem Rückzuge dem Feinde in die Hände fielen.

Dagegen blieben die reichen Spinnensammlungen erhalten, welche im Schilfgebiet des Katlanovosees zusammengebracht wurden. Zwischen Schilf und Röhricht fanden sich allerhand interessante Arten. Es war vor allem im Anfang April 1918, daß ich dort sehr auf die Spinnen achtete. Auffällig war, daß angesichts der Armut an Insekten sich auffallend viele Spinnen im Röhricht herumtrieben. So flog am 2. April schon ein Theridium lineatum Clerck wie Altweibersommer an langen Seidenfäden durch die Luft. Es war ein auffallendes Tier mit drei dunkelbraunen Streifen auf dem Rücken und je fünf solchen auf silberweißem Grund am Kopf. Größere Exemplare der Art fanden sich am Boden.