Zwischen Rohrstengeln hatte eine Spinne denjenigen unserer Kreuzspinnen ähnliche Radnetze von nicht sehr großem Durchmesser ausgespannt. Es war eine Epeira cornuta Clerck., von der schon am 9. April Männchen und Weibchen auf den Netzen beieinander waren. In Schilfhalmen selbst wohnte Hyctia canestrinii Can. und Pav. An solchen kletterte Dolomedes limbatus Hahn auf und ab, während Pisaura mirabilis Clerck und Drassus pubescens Thor. sich am Rand des Sees unter Steinen fanden.

Später im Jahre kletterten vielerlei Käfer aus der Gattung Donacia auf den Schilfrohren herum; Libellen in vielen Arten, tiefblau, grau, rot, grün gefärbt, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, flogen zwischen den Halmen hindurch und über ihnen, während ihre Larven im Wasser sich entwickelten. Kleine Fische, deren Vertreter auch verloren gingen und die somit nur als Leuciscus-Arten bezeichnet werden können, schwammen in ganzen Schulen an sonnigen, schilffreien Stellen des Sees.

Nicht immer war es möglich von Üsküb her mit dem Wagen den direkten Weg zum See zu machen. Dann war die Hin- und Rückreise etwas beschwerlicher. Man fuhr mit einem Bummelzug nach der Station Selenikovo, von wo über die Hügel ein nicht reizloser Weg durch ein insektenreiches Tälchen führte. Der Rückweg wurde dann durch die Wardarschlucht, die sich zwischen Taor und Selenikovo erstreckt, zurückgelegt. Bei Selenikovo war nämlich weithin die einzige Brücke über den Wardar auf das rechte Ufer, auf welchem die Bahnstrecke lief. Dort bestieg man nachts einen Güterzug, welcher etwa um Mitternacht auf einer Zwischenstation von einem Personenzug eingeholt wurde, der einen nach Üsküb zurückbrachte.

Am südlichen Ende des Katlanovosees erhoben sich lehmige Hügel, im Frühjahr üppig mit blühenden Pflanzen bewachsen, die von der üblichen reichen Insektenwelt umflogen waren. An einem Hang, nicht weit vom See, entdeckten wir in einer senkrechten Lehmwand eigenartige Löcher, welche offenbar von Menschenhand gebohrt waren. Wir erfuhren, daß sie von den Bewohnern der Nachbarschaft angelegt waren, um durchgegangene Bienenschwärme einzufangen, die sich gern an dieser Lehmwand niederließen (vgl. dazu [S. 372] und [Abb. 186]).

Abb. 166. Kapelle und Friedhof von Taor.

Wollte man durch die Wardarschlucht nach Selenikovo, so mußte man das lange nach Südosten gestreckte Ende des Sees umgehen, um an seinem Westufer den Durchbruch des Wardar bei Taor zu erreichen, wo See und Fluß nur wenig hundert Meter voneinander getrennt waren. Taor, am Hügel gelegen, zwischen Obstbäumen gelagert, mit einer kleinen weißen Kapelle auf grünem Rasen, war das Ziel der Sehnsucht vieler Juristen der Armee, da es der Geburtsort des oströmischen Kaisers Justinian, des Urhebers der Pandekten, ist. Wenige sind dort gewesen, da der Ort sehr unbequem zu erreichen war. So sei diesen die von mir aufgenommene Photographie der Kapelle von Taor gewidmet ([Abb. 166]).

Dicht bei Taor beginnt nach der Üsküber Talweite die lange Velesenge des Wardars, welche sich bis Krivolac erstreckt. Ihre hohen Felsenufer sind aus kristallinischen Schiefern, paläozoischen Schiefern, mesozoischen Kalken, paläozoischen Flyschschiefern und jungtertiären Ablagerungen in buntem Wechsel aufgebaut.

Abb. 167. Wardar bei Selenikovo.